Akademiker der Russischen Akademie der Wissenschaften Robert Nigmatullin hat auf dem Moskauer Wirtschaftsforum mit scharfer Kritik am Kurs der russischen Wirtschaft alarmiert:
Sein Appell richtete sich direkt an Präsident Putin: So dürfe man ein Land nicht führen – es sei höchste Zeit für einen Kurswechsel.
Nigmatullin nannte harte Fakten zur wirtschaftlichen Lage Russlands. Die Pro-Kopf-Einkommen seien die niedrigsten in Europa. „Unter der Sowjetmacht lebten wir schlechter, bauten aber das Land auf, eroberten den Kosmos und entwickelten die Atomenergie. Heute haben wir all das verloren und sind immer noch die Ärmsten“, sagte er. Selbst in den ärmsten Regionen Chinas lägen die Einkommen höher als in Russland.
Besorgniserregend sei auch die anhaltende Depopulation: Jedes Jahr schrumpfe die Bevölkerung um eine Million Menschen. Das Bruttoinlandsprodukt wachse nur um etwa 1,5 Prozent pro Jahr, während die Verbraucherpreise seit 2012 um 77 Prozent gestiegen seien – bei einer offiziellen Inflationsrate von sieben Prozent jährlich.
Keiner der wirtschaftlichen Präsidentenerlasse seit 2012 sei erfüllt worden, kritisierte Nigmatullin. Der Präsident fordere keine Verantwortung ein und bestrafe niemanden. Investitionen allein reichten nicht – entscheidend sei ihre Effizienz. Russland weise im internationalen Vergleich das schlechteste Verhältnis zwischen Investitionswachstum und BIP-Wachstum auf und liege bei der Gesamteffizienz der Geldpolitik unter 50 untersuchten Ländern auf dem letzten Platz.
Besonders dramatisch sei der Verfall der Industrie: Die Zahl der Beschäftigten im Maschinenbau sei von vier Millionen im Jahr 1999 auf nur noch 440.000 gesunken – ein Rückgang um den Faktor zehn. Die Leichtindustrie habe sich ebenfalls stark verkleinert, während die Zahl der Kurierfahrer um 1,5 Millionen zugenommen habe. Die Anzahl der Wissenschaftler pro 10.000 Einwohner liege in Russland bei 54, in führenden Ländern dagegen bei 174.
„Wir können nicht gleichgültig zusehen, wie sich das Land seit 30 Jahren in diese Richtung bewegt“, mahnte der Akademiker. „So kann man eine Wirtschaft nicht führen. Diese Botschaft muss dringend zum Präsidenten gelangen, denn auf ihm ruht die Verantwortung.“
Nigmatullin forderte einen sofortigen Personalwechsel in den Bereichen Wirtschaft, Bildung und Soziales. Das Beamtentum ersticke intelligente Kräfte. Stattdessen müsse der kleine und mittlere Unternehmenssektor gestärkt werden, teure Großprojekte gestoppt und das Land „repariert“ werden.
„Wir haben kluge Köpfe, aber das System drückt sie nieder. Wir dürfen nicht länger zögern – die Zeit drängt“, schloss Nigmatullin.






Dieser weise, alte Mann benennt Fakten, die im Wind verhallten werden - es bestehen in Ost und West andere Interessen.
AntwortenLöschenMan wird ihn hören. Und man wird handeln. So wie es angemessen ist.
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