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Samstag, 21. März 2026

Lied vom Glück ohne Internet

Das russische Staatsfernsehen hat prompt auf die brennendste Gesellschaftsfrage reagiert:

Am 20. März 2026 sang man im besten Sendeplatz des Ersten Kanals Kinder darüber, wie wunderbar das Leben ohne Internet sein kann.

Russische Sozialnetze machten gestern Abend auf den bemerkenswerten Moment in der Sendung "Pole čudes" ("Wunderfeld") aufmerksam. Gleich zu Beginn trat Anastassija Serebrjakowa, Leiterin der Wolgograder Gesangsstudios "Komilfo", mit ihrem Kinderchor auf. Die Kinder verkündeten mit glasklaren Stimmen die neue Lebensweisheit:

„Wir wollen es nicht, wollen es nicht –  
das Netz kriegt uns nicht!  
Wir sitzen nicht, sitzen nicht  
in eurem Internet.  
Wir rufen das Jahr aus,  
wo alles umgedreht wird!“

Weiter heißt es im Lied: Telefone seien überflüssig, das blaue Licht des Monitors soll nicht die Mahlzeit verderben, man müsse sich weder um ungelernte Hausaufgaben sorgen noch um Nachhilfelehrer oder Online-Training – denn „Freunde in echt nebeneinander zu sein, macht viel mehr Spaß“.

Was die Erwachsenen in diesem Offline-Paradies tun sollen, bleibt offen. Das Lied erwähnt auch nicht, ob man konsequenterweise auf weitere Errungenschaften der Zivilisation verzichten sollte – etwa auf Fernsehen, Strom oder Toilettenpapier.

Während das russische Digitalministerium schweigt und die IT-Behörde vermutlich prüft, ob Badminton inzwischen als extremistische Aktivität gilt, hat der Erste Kanal bereits seinen Beitrag geleistet: Im Prime Time wurde der Bevölkerung feierlich versichert, dass ein Leben ohne Internet nicht nur möglich, sondern sogar erstrebenswert ist.

Voraussetzung: ein Federballschläger und ein paar textsichere Kinder aus Wolgograd.

3 Kommentare:

  1. Sehr schön !!! Sehr wahr .

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  2. Russland muß die Informationsverbreitung kontrollieren. Das ist wichtig und richtig. Nicht Russland will Europa platt machen sondern Europa, Russland!

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    1. Aus Sicht der Internet-Einschränkungen kann man die Leute in Russland grob in drei Gruppen einteilen:
      1) Die Omas, die plötzlich keine lustigen Memes mehr hin und her schicken können und nicht mehr so einfach mit Kindern und Enkeln chatten.
      2) Der große Rest der Bevölkerung – die haben sich blitzschnell irgendwelche VPNs oder andere Tricks auf ihre Handys und Computer gezogen und surfen weiter wie gehabt.
      3) Die Beamten und hohen Tiere – ausgerechnet die, die man ja eigentlich am meisten vor „böser westlicher Propaganda“ schützen müsste, haben sich die Hintertürchen offen gehalten und kommen ohne Probleme ins freie westliche Netz.
      Und jetzt die Frage: Wo genau sehen Sie da eigentlich echte Kontrolle über die Informationsverbreitung? In Russland ist echt vieles einfach nicht das, was es auf den ersten Blick zu sein scheint. 😏

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