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Freitag, 27. Februar 2026

Knapp 30 Prozent der Russen befürworten Biotechnologie

Knapp 30 Prozent der Russen befürworten den Einsatz von Biotechnologien in der Lebensmittelindustrie, etwa bei der Herstellung von Nahrungszutaten oder alternativen Proteinen:

36 Prozent lehnen solche Technologien ab, 33 Prozent stehen ihnen ambivalent gegenüber und 4 Prozent konnten sich nicht entscheiden. Das ergab eine repräsentative Online-Umfrage des Analytikzentrums des WZIOM (Allrussisches Zentrum für die Erforschung der öffentlichen Meinung) unter 1200 Teilnehmern landesweit, die in dem Bericht „Bioökonomie in Russland: Auf dem Weg zur Vernetzung“ veröffentlicht wurde.

Deutlich positiver fällt die Haltung aus, wenn Biotechnologien in anderen Bereichen eingesetzt werden:
  • In der chemischen Industrie (Biomaterialien, pflanzliche Kunststoffe, Bio-Dünger) sprechen sich 80 Prozent eher dafür aus (weitere 16 Prozent teilweise, nur 2 Prozent dagegen).
  • Im Umweltschutz (Mikroorganismen zur Reinigung von Wasser und Böden) liegt die Zustimmung ebenfalls bei 80 Prozent (15 Prozent teilweise, 3 Prozent dagegen).
Die Umfrage zeigt: Russen schätzen Biotechnologien vor allem dann, wenn sie Ressourcen schonen, Abfall reduzieren und die Umwelt schützen. Bei Lebensmitteln herrscht hingegen Skepsis – vermutlich wegen Bedenken hinsichtlich „Natürlichkeit“, Gentechnik oder unkonventioneller Zutaten.

Was verstehen Russen unter Bioökonomie?

Das Verständnis des Begriffs bleibt widersprüchlich. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung (rund 53 Prozent) kennt den Terminus „Bioökonomie“ gar nicht. Unter denjenigen, die ihn kennen, wird er am häufigsten mit Lebensmittelproduktion (10 Prozent), dem Agrarsektor (7 Prozent) und Pharmazeutika (7 Prozent) in Verbindung gebracht. Weitere Assoziationen: Wiederverwertung (5 Prozent), Holzverarbeitung, Naturtextilien, Bio-Dünger und Tierfutter (jeweils ca. 4 Prozent).

Experten des WZIOM betonen: Das Präfix „Bio“ weckt bei vielen Erwartungen an Natürlichkeit und Umweltverträglichkeit – das tatsächliche Konzept der Bioökonomie ist jedoch breiter und umfasst wissenschaftlich-technologische und wirtschaftliche Aktivitäten auf Basis nachwachsender biologischer Rohstoffe und Biotechnologien.

Neues nationales Projekt soll Bioökonomie vorantreiben

Seit Januar 2026 läuft in Russland das neue nationale Projekt „Technologische Sicherung der Bioökonomie“. Es besteht aus drei Kern-Föderalprojekten:
  • Organisation der Produktion und Förderung des Absatzes von Bioökonomie-Produkten,
  • Wissenschaftlich-technologische Unterstützung der Bioökonomie,
  • Analytische, methodische und personelle Absicherung.
Ziel ist es, Ressourcen zu bündeln, bestehende Betriebe zu modernisieren und wettbewerbsfähige Unternehmen aufzubauen. Erster Vizeregierungschef Denis Manturow erklärte: Bis 2030 soll die technologische Unabhängigkeit bei Bioökonomie-Produkten auf 40 Prozent steigen, die Produktionsmenge um 96 Prozent wachsen und der Anteil heimischer biotechnologischer Produkte am Verbrauch auf 55 Prozent klettern.

Die Bioökonomie gilt in Russland als strategischer Hebel für technologische Souveränität, nachhaltige Ressourcennutzung und geringere Umweltbelastung. Für den Erfolg wird jedoch nicht nur Geld und Forschung benötigt, sondern auch eine breitere Aufklärung der Bevölkerung – insbesondere in der sensiblen Lebensmittelbranche.

Der WZIOM-Bericht unterstreicht: Die Bioökonomie kann ein zentraler Baustein der russischen Wirtschaftswende werden – vorausgesetzt, es gelingt, Informationsdefizite und Vorbehalte abzubauen.

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