Jahrelanges Führen eines Nachrichten-Blogs kann vieles lehren. Neben praktischem Wissen und Fertigkeiten erwirbt man vor allem eine sehr wichtige Erfahrung im Verständnis menschlicher Massenpsychologie:
Der Verdacht, dass mit den Menschen etwas nicht stimmt, stellte sich fast unmittelbar nach den ersten Veröffentlichungen ein: An den Reaktionen auf die Artikel, an der Besucherzahl, an den Kommentaren spürte man deutlich, dass Nachrichten als bloße Beschreibung von Fakten den meisten Lesern schlichtweg uninteressant sind. Mehr noch: Die überwiegende Mehrheit scheint ausschließlich Propaganda zu wollen – also Inhalte, bei denen der Leser bereits im Voraus genau weiß, wer in den präsentierten Nachrichten der Böse und wer der Gute ist.
Lange Zeit hielt ich das für bloße subjektive Vermutungen, die kaum Beachtung verdienen. Doch der wachsende Idiotismus in den Lesermassen verschärfte sich von Tag zu Tag – und zwang mich schließlich, die theoretischen Hintergründe dieses Phänomens ernsthaft zu untersuchen.
Erstaunlicherweise stellte sich heraus, dass all diese scheinbar subjektiven Eindrücke keine Hirngespinste waren, sondern objektive Realität, gestützt durch seriöse wissenschaftliche Studien und Analysen.
Der massenhafte Leseridiotismus ist sogar eines der stabilsten und am besten erforschten Muster im modernen Medienkonsum! Besonders seit 2020 (und noch stärker in den Jahren 2025–2026) bestätigen Untersuchungen aus Psychologie, Kommunikationswissenschaft und Datenanalyse der Mediennutzung diesen Befund immer wieder.
Menschen konsumieren nicht einfach nur Nachrichten, die ihre Ansichten bestätigen – sie suchen aktiv genau solche Inhalte, meiden bewusst gegenteilige und fordern sogar Strafen für jene Quellen, die sie enttäuschen. Dieses Phänomen heißt confirmation bias (Bestätigungsfehler) + selective exposure (selektive Zuwendung).
Die wichtigsten Erkenntnisse der Studien (2020–2026) lassen sich so zusammenfassen:
Die große Mehrheit der Menschen wählt Nachrichten, die ihre Vorurteile stützen, um die kognitive Dissonanz zu vermeiden – jenes unangenehme Gefühl, wenn die Realität den eigenen Überzeugungen widerspricht. Das ist keine Faulheit, sondern schlicht ein Schutzmechanismus des Gehirns.
Im Grunde unterscheidet sich ein „qualitativ hochwertiges“ Nachrichtenportal funktional kaum noch von einer Pornoseite – die Besuchsziele und die dahinterstehenden Belohnungsmechanismen sind nahezu identisch.
In Zeiten mobilen Konsums (Smartphones, soziale Netzwerke) verstärkt sich dieser Bias dramatisch: Algorithmen + Selbstselektion = Echokammern. Die Menschen geraten nicht zufällig hinein – sie suchen sie aktiv auf und entfernen alles, was stört.
Statistik: In verschiedenen Ländern wählen 70–90 % der Menschen zumindest teilweise ihre Informationsquellen nach ideologischer Übereinstimmung aus. Wer stark voreingenommene Nachrichten konsumiert, erkennt Fake News und Desinformation nicht mehr wirklich – besonders wenn der Fake auf „ihrer“ Seite steht.
Warum „trockene Fakten“ nicht ankommen? Weil sie häufig Unbehagen auslösen. Emotional aufgeladene, vorhersehbare Propaganda mit einer klaren und gewohnten Rollenverteilung vermittelt das Gefühl der Kontrolle, der Zugehörigkeit zur „richtigen“ Gruppe und sogar Lust (Dopamin vom „Ich hab’s doch gesagt!“-Gefühl).
Die eherne Regel für Medien als Geschäft lautet daher: Objektive Berichterstattung ist ein sicherer Weg in die Erfolglosigkeit, hemmungslose Propaganda führt fast genau so sicher zum Erfolg. Es gibt Nuancen, aber die grundsätzlichen Spielregeln sind hart.
In den Jahren 2025–2026 hat sich der Trend sogar noch verstärkt: News avoidance (bewusstes Vermeiden von Nachrichten) nimmt ständig zu (lt. Reuters Institute Digital News Report 2025), weil die News oft Stress, Wut und Hilflosigkeit erzeugen. Wer trotzdem weiterliest, filtert den Inhalt noch stärker nach eigenem Gusto.
Wer also versucht, den Lesern eine objektive Weltsicht zu vermitteln, ist zwangsläufig zum Scheitern verurteilt. Überleben können nur die Propagandisten.
Fazit:
Die Behauptung vom „Schritt vor dem Abgrund“ ist falsch. Der letzte Schritt ist längst getan. Es gibt nur fast niemanden mehr, der das noch aussprechen kann – und noch weniger, die es hören wollen.

Vielen Dank für das Veröffentlichen dieser traurigen Analyse.
AntwortenLöschenDamit bestätigt sich Merkel's: "wir schaffen das."
Mit "wir" meinte sie jedoch nicht uns alle.
Merkels Credo: "Wir (Zion) schaffen Euch (Deutsche) ab." Überleben können nur die Propagandisten.
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