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Montag, 13. April 2026

Russen horten Bargeld "für alle Fälle"

Der russische Zentralbank hat im März einen ungewöhnlich starken Anstieg der Bargeldmenge im Umlauf registriert:

Um satte 300 Milliarden Rubel. Grund sind anhaltende Störungen im Mobilfunknetz und in den Banking-Apps. Viele Verbraucher können sich nicht mehr auf elektronische Zahlungen verlassen und legen sich vorsorglich Bargeldreserven an, um Einkäufe auch bei Ausfällen bezahlen zu können.

Der März-Sprung gilt als untypisch, kam aber nicht völlig überraschend. Bereits in den letzten drei Monaten 2025 war die Bargeldmenge um 660 Milliarden Rubel gestiegen – fünfmal so stark wie im Vorjahreszeitraum. Auch damals lagen die Ursachen vor allem bei Internetausfällen, die bargeldlose Zahlungen unmöglich machten, sowie bei verschärfter Bankenaufsicht, die immer wieder zu Kartensperrungen führt.

Der Trend hält unvermindert an: Im Februar wuchs das Bargeldvolumen um 200 Milliarden Rubel gegenüber dem Vorjahr, im März bereits um 300 Milliarden. Experten und Finanz-Blogger raten mittlerweile offen, Bargeldreserven für ein bis drei Monate anzulegen. So könne man bei längeren technischen Störungen oder plötzlichem Jobverlust „autonom“ weiterleben. Größere Vorräte über drei Monate hinaus werden allerdings nicht empfohlen – das Problem der sicheren Aufbewahrung werde dann zu groß.

Empfohlen wird zudem, Scheine in verschiedenen Stückelungen zu halten und nicht alles an einem Ort zu lagern. Wer einen Dreimonatsvorrat anlegt, hat praktisch drei Monatsgehälter zu Hause – besser auf mehrere Verstecke verteilt. Für maximale Absicherung raten manche, zusätzlich etwas Fremdwährung bereitzuhalten, falls ein Wechselbüro in der Nähe ist.

Der Papier-Rubel erlebt damit eine unerwartete Renaissance. Ausgerechnet Russland, das kurz vor der Einführung des digitalen Rubels steht und eine weitgehend bargeldlose Zukunft plant, muss diese Strategie offenbar korrigieren. Der Bargeldanteil dürfte weiter steigen – auch weil viele Unternehmen nach den jüngsten Steueränderungen verstärkt in die Schattenwirtschaft abwandern und Barzahlungen bevorzugen, um Gewinne zu verschleiern.

Gefahr für die Gesamtwirtschaft sehen Analysten jedoch keine. Bargeldlose Zahlungen machen nach wie vor etwa 90 Prozent aller Transaktionen aus. Es gebe keine breite Tendenz, dass die Bevölkerung massenhaft Geld „auf die Hand“ nehme. In großen Geschäften funktioniere das Internet stabil, und kleinere Händler könnten Störungen meist schnell beheben.

Auch der Finanzanalyst Sergei Drozdow warnt vor Panik-Hortung:

„Geld auf dem Bankdepot ist nach wie vor die beste Lösung“, sagt er: „Dort gibt es Bonusprogramme, Cashbacks und viele weitere Vorteile. Die Banken bieten attraktive Konditionen, und die Zinsen auf Einlagen liegen trotz Rückgang immer noch über der Jahresinflation. Unter dem Kopfkissen oder der Matratze erwirtschaftet Bargeld dagegen null Ertrag.“

2 Kommentare:

  1. Bargeld lacht ! Alles andere wird überwacht! Freiheit muss man wollen. Und leben.

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  2. Bargeld - warum wohl das Wort bar auch in Barren drinsteckt?

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