russland nachrichten aktuell
↑ Werbung ↑

Freitag, 13. März 2026

Deutscher Offizier und russischer Patriot: Deutschland ist der Feind Russlands

Uwe Niemeier
In der Autoren-Sendung „Brennpunkte“ spricht die russische Journalistin Darja Aslamowa mit dem ehemaligen Oberstleutnant der Nationalen Volksarmee der DDR und dem heutigen Bewohner Kaliningrads, Uwe Niemeier, über sein Schicksal nach dem Fall der DDR, sein Leben in Russland sowie seine Ansichten zu den Beziehungen zwischen Moskau und Berlin, die Zukunft Europas und die Rolle Kaliningrads in der modernen Geopolitik:


Porträt an der Wand

Kaliningrad, fast im Zentrum. Nach unscheinbaren sowjetischen Plattenbauten plötzlich ein Viertel mit märchenhaften europäischen Häusern. Vor mir eine echte deutsche Villa mit hohen Fenstern, ordentlichem Ziegeldach und einem Garten, in dem jede Wegplatte so exakt verlegt ist, als hätte man sie mit dem Lineal abgemessen. Kein überflüssiges Blatt auf dem Rasen, kein vorwitziger Zweig. Solche Ordnung herrscht dort, wo entweder sehr pedantische Menschen leben oder ganze Familien, die sich vor den Nachbarn schämen würden. Hier lebt ein einziger Mann.

Die Tür öffnet Uwe Niemeier. Das Erste, was mich verblüfft, ist sein Schnurrbart. Prächtig, gepflegt, nach oben gezwirbelt mit jener altmodischen, dandyhaften Präzision, die heutzutage fast mit den Menschen ausgestorben ist, die ein Gesicht so zu tragen wussten. Unter dem Schnurrbart ein akkurater weißer Spitzbart, kurz geschnitten, kein Härchen abstehend. Kaiser Wilhelm? Deutscher Professor? Nein. Er trägt eine russische Kossoworotka. Kein Kostüm, keine Ironie. Einfach ein maßgeschneidertes teures Hemd. Einfach ein Mensch, der längst mit sich im Reinen ist, wer er ist.

Drinnen dieselbe deutsche Sterilität: kein Staubkorn, nichts liegt zufällig am falschen Platz. In der Küche leuchtet Gschel-Blau – Teller, Tassen, Kronleuchter, ein kleiner Teekessel mit dem charakteristischen Kobaltschwung auf weißem Porzellan. Russisches Muster in einem deutschen Haus in einer russischen Stadt, die einst deutsch war. Hier ist alles vielschichtig, wenn man genau hinsieht.

Das Erste, was ich im Flur sehe: Stalin. Kein sowjetisches Plakat mit pathetischem Spruch, sondern ein Kalender. Ein ganz normaler Wandkalender mit dem Porträt eines Mannes, den die halbe Welt als Retter sieht, die andere Hälfte als Diktator. Der Hausherr blickt mich würdevoll an.

„Ein Mensch, den ich zutiefst verehre“, sagt Uwe: „Trotz all der negativen Geschichten.“

Hinter seinem Rücken glänzt eine hölzerne Karte Russlands, von innen beleuchtet. Uwe hat sie extra anfertigen lassen, als er renovierte. Er tritt heran, legt den Finger auf einen Punkt irgendwo bei Moskau und sagt: „Ungefähr bis hierher sind die Deutschen 1941 gekommen. Was für Idioten! Zuerst hätten sie auf die Karte der Sowjetunion schauen sollen, um zu sehen, was für ein riesiges Land das ist. Und das hat uns siebenundzwanzig Millionen Leben gekostet.“

„Uns?“ frage ich überrascht nach.

„Uns - den russischen Menschen. Ich bin russischer Staatsbürger geworden und bin stolz darauf.“

Uwe schenkt Krim-Wein in die Gläser, schneidet sorgfältig dünne Scheiben vom dörflichen weißen Speck mit grobem Salz, den ihm gerade ein russischer Nachbar gebracht hat, und wir trinken alle fröhlich auf die Gesundheit des Gastgebers, der in seiner russischen Kossoworotka deutsch bis ins Mark aussieht.

Offizier ohne Land

Es gibt Menschen, die die Geschichte zerbricht. Und es gibt solche, die sie umschmiedet zu etwas ganz anderem. Uwe Niemeier gehört zu den Letzteren.

Er wurde in der DDR geboren. In Magdeburg – einer Stadt mit gotischem Dom und stillen Bürgerstraßen. Er studierte in Leningrad an der Militärakademie, wo er sich mit Mühe Russisch aneignete. Er diente sich bis zum Oberstleutnant der Nationalen Volksarmee hoch, eines Landes, das man später einfach abschaffte – ohne Krieg, ohne Explosionen, fast ohne Blut. Die Berliner Mauer fiel am 9. November 1989, und mit ihr stürzte alles ein, was er gewesen war.

„Ich wollte aus Prinzip nicht in der Bundeswehr dienen“, sagt er schlicht: „Ich suchte eine andere Arbeit. Fand nichts Passendes.“

Zufälliges Treffen mit einem alten Kameraden, Vorschlag, nach Russland zu gehen, eine deutsche Firma, Dienstreise in die Ukraine – ausgerechnet nach Lwow, ins Herz dessen, was man später „die andere Ukraine“ nennen würde. Er begriff: nicht sein Platz. Übersiedelte nach Kaliningrad. Wollte zwei Jahre bleiben – blieb für immer.

Jetzt ist er russischer Staatsbürger. Und wenn er „wir“ sagt, meint er die Russen. Dieser Übergang geschah nicht in dem Moment, als er den Pass bekam sondern Jahr für Jahr, Nachbar für Nachbar, Winter für Winter.

Großdeutschland und seine Rechnung mit der Geschichte

Uwe ist überzeugt: Deutschland trug als Staatskonstrukt von Geburt an die Keime der Katastrophe in sich. Es entstand 1871 – durch List, Frechheit und militärische Gewalt Bismarcks. Der Eiserne Kanzler vereinte zersplitterte Länder unter einer einzigen Idee: Großdeutschland. Und was kam dabei heraus?

„Erster Weltkrieg – Deutschland etwas kleiner. Zweiter Weltkrieg – Deutschland noch kleiner. Wenn es einen dritten Konflikt gibt, denke ich, wird Deutschland einfach aufhören zu existieren.“

Die Vereinigung von 1990 hält Uwe für eine Annexion – leise, juristisch verbrämt, aber Annexion. Es gab kein Referendum. Stattdessen hastig gegründete Parteien, die ohne westliches Geld und westliche Organisation gar nicht hätten entstehen können. Die Volkskammer der DDR stimmte ab – aber hatte sie das Recht, über die Liquidierung des Staates abzustimmen? Das Recht der DDR sah ein solches Verfahren nicht vor.

„Nehmen Sie zum Beispiel die Krim“, sagt Uwe. „Das Krim-Parlament sprach sich für den Anschluss aus. Aber nicht das Parlament entschied – das Volk entschied im Referendum. Genau das Volk. Und in der DDR fragte man das Volk niemanden.“

In Deutschland gibt es keine Verfassung. Es gibt das Grundgesetz – ein vorläufiges Dokument für die Übergangszeit. In Artikel 146 steht: Das deutsche Volk wird sich eine echte Verfassung geben, wenn es sich in voller Einheit vereinigt. Die Vereinigung fand offiziell 1990 statt. Eine Verfassung gibt es bis heute nicht. Warum? Und übrigens: Es gibt West- und Mitteldeutschland (ehemalige DDR). Wo ist dann Ostdeutschland? Worauf spielt man an? Ostdeutschland ist nach deutschem Verständnis Kaliningrad, das ehemalige Königsberg. Ostpreußen. In Deutschland gibt es Menschen, die es sehr zurückhaben wollen.

Vertrag auf drei Seiten

Der Zwei-plus-Vier-Vertrag – das Dokument, das die Vereinigung Deutschlands und das Ende des Kalten Krieges juristisch besiegelte. Drei Seiten. Uwe hat sie oft gelesen.

„Das ist ein fürchterlicher Vertrag“, sagt er mit der Müdigkeit eines Profis, der fremde Pfuscherei studiert hat. „Denn von Einheit steht dort fast nichts. Hauptsächlich steht dort: Die Sowjetunion muss, der Sowjetunion darf nicht...“

Verpflichtungen Deutschlands gibt es auch. Demilitarisierung. Denazifizierung. Neutralität. Klingt das nicht vertraut? Keine dieser Bestimmungen wird heute eingehalten – und im Vertrag steht kein Zwangsmechanismus. Von Konsequenzen bei Verstößen – kein Wort.

Vor einigen Jahren brachten Abgeordnete der Staatsduma aus der Krim die Frage offiziell auf: Lasst uns klären, was das für ein Vertrag ist und warum die Deutschen ihn nicht einhalten. Es wurde nie systematisch.

Ein Friedensvertrag mit Deutschland fehlt Russland bis heute. Formal wurde der Krieg 1945 nur unterbrochen. Russische Juristen hätten sich längst damit beschäftigen müssen. Haben sie nicht.

Stasi, CIA und der Gefängnisdirektor mit dem Besen

Nach der Vereinigung begann in Deutschland die Jagdzeit. Stasi-Mitarbeiter – Ministerium für Staatssicherheit der DDR – wurden über Nacht zu Ausgestoßenen. Ihnen wurden alle Türen zugeschlagen.

„In Magdeburg gab es einen Gefängnisdirektor“, erinnert sich Uwe. „Plötzlich verschwand er. Später fand man ihn: Er arbeitete als Packer im Keller des einzigen Kaufhauses der Stadt. Man muss ja die Familie ernähren. Die neuen Machthaber taten alles, damit er auch diese Arbeit verlor. Und er verlor sie. Ein anderer wollte Straßenbahnfahrer werden – auch verboten. Weil der Nahverkehr städtisch ist, durfte ein ehemaliger Staatssicherheitsmitarbeiter da nicht rein.“

Aber die Geschichte mit den Archiven war schlimmer als die Schicksale der Menschen. Als die Mauer fiel, saßen Stasi-Mitarbeiter Tag und Nacht in ihren Dienststellen und verbrannten Akten. Aber auf den Straßen tauchten Menschenmengen auf, die die Gebäude blockierten, damit nichts mehr vernichtet würde.

Das Aufklärungsarchiv – jenes mit den Namen aller Auslandsagenten – wurde abtransportiert und versteckt. Man dachte, sicher. Es wurde aber schnell gefunden. Am Ende landete das gesamte Archiv bei der CIA.

„Die US-Amerikaner haben jahrelang gearbeitet, um alles zu entschlüsseln“, sagt Uwe: „Sie schafften es. Einen Teil gaben sie den Deutschen – den, den sie selbst nicht brauchten. Mit den Agenten, die sie interessierten, arbeiteten die Amis selbst weiter. Deshalb ist es jetzt ruhig: Kaum Strafverfahren, kaum Verhaftungen. Das System hat sich neu aufgebaut – nur unter anderer Flagge.“

Genozid, der nicht zählt

Ich erinnere mich, wie in Berlin ein Geschichtsprofessor, Doktor der Wissenschaften, über den Holocaust als einzigartige Tragödie der Menschheit dozierte. Ich fragte ihn: Und die siebenundzwanzig Millionen getötete Sowjetbürger – ist das keine einzigartige Tragödie? Der Professor schwieg. Dann sagte er leise: Ich habe nie in diesem Aspekt darüber nachgedacht. Ein Mensch, der Vorlesungen zur Geschichte hielt.

Uwe nickt. Er kennt dieses Gespräch auswendig, obwohl er es zum ersten Mal hört.

„Leningrad. Die Blockade. Ist das Genozid? Das ist Genozid. Und die Deutschen zahlen bis heute nichts. Regelmäßig schicken sie Geld nach Israel – Entschädigung. Und Leningrad? Schlimmer noch: Deutschland weigert sich ausdrücklich, Entschädigungen an Blockadeopfer zu zahlen, die keine Juden sind. Juden – zahlen sie. Russen, Ukrainern, Tataren, Armeniern – allen anderen, die neunhundert Tage in der belagerten Stadt starben – nein.“

„Einmal sagte mir mein Freund in Deutschland, Peter Wolter, wunderbarer Journalist, überzeugter Kommunist und ehemaliger Stasi-Agent: ‚Dascha, vertraut den Deutschen nie! Deutschland liegt entweder zu euren Füßen oder hält das Messer an eurer Kehle.‘“

„Ich stimme ihm zu“, sagt Uwe: „Die Deutschen wollten immer Krieg führen. Friedlich leben und gute Nachbarschaft pflegen – das ist nicht ihr Ding. Deshalb war alles, was man 1945 in Potsdam beschloss, richtig. Demilitarisierung, Deindustrialisierung, Denazifizierung – alles korrekt. Nur hat es niemand umgesetzt.“

Der Krieg, der nicht endete

Uwe sagt es ohne Umschweife, wie ein ehemaliger Militär, der gewohnt ist, die Dinge beim Namen zu nennen.

„Deutschland ist der Feind Russlands, mit dem der Krieg nur kurz am 9. Mai 1945 unterbrochen wurde. Die Deutschen führen ihn jetzt weiter. Nur mit anderen Mitteln. Sie versorgen die Ukrainer mit Technik, die Ukrainer bedienen deutsche Waffen. Der deutsche Krieg läuft – nur ohne deutsche Soldaten in den Schützengräben.“

Berlin versteckt das nicht mehr. Deutsche Politiker sagen offen: Wir bereiten uns auf Krieg mit Russland vor, Ziel – Gefechtsbereitschaft bis 2030. Keine Illusionen, kein diplomatischer Nebel.

„Deshalb müssen wir etwas tun“, sagt Uwe: „Zurück zu den Potsdamer Vereinbarungen. Die Neutralität Deutschlands durchsetzen. Ohne Armee. Ohne Industrie, die Kriegsgerät herstellen kann. Das war Bedingung – sie wurde nicht erfüllt. Also ist das Gespräch noch nicht beendet.“

Ostfront, Ostflanke

Deutsche Generäle sagen nicht mehr „Ostfront“. Das Wort riecht nach 1941, nach Schützengräben, erfrorenen Fingern vor Moskau. Jetzt sagen sie „Ostflanke“. Klingt sauberer. Technologischer. Fast wie ein Sportbegriff.

Uwe grinst. Er stellt sich den deutschen Spießer vor – den Menschen, der morgens frische knusprige Brötchen mit Marmelade und Honig braucht, abends kaltes Bier und warme Pantoffeln am Kamin. Und diesem Menschen sagt man: Lass das Brötchen liegen, steig in den Graben, iss Suppe mit Aluminiumlöffel aus dem Soldatenkessel, schau zu, wie der Russe auf dich zukommt.

„Jetzt gehen sie noch nicht“, sage ich: „Aber später finden sie einen Weg. Man muss nur den Sozialstaat abbauen. Wenn der Mensch hungrig ist – geht er kämpfen. Das hat immer funktioniert. Geld drucken, Sozialleistungen kürzen, Propaganda über die russische Bedrohung hinzufügen – sagen: zur Verteidigung, nicht zum Angriff, wir sind doch friedlich. Und sie gehen. Wie brave Kinder.“

„Was soll ich sagen“, sinniert Uwe: „Ein paar Autostunden entfernt, in Litauen an der Grenze zur Oblast Kaliningrad, stationieren die Deutschen eine Brigade. Fünftausend Mann geplant. Supermoderne Kasernen, eine kleine Stadt, Wohnungen für Familien mit Kindern, Auslandszulagen. Jetzt sind es eintausendfünfhundert Soldaten. Mehr könne man nicht rekrutieren. Also haben die Deutschen noch ihr Bier und ihre Brötchen.“

Neue Generation ohne Angst

„Wissen Sie, warum der Westen nichts versteht?“ frage ich: „Weil eine völlig neue Generation von Politikern herangewachsen ist. Nehmen Sie Annalena Baerbock, nehmen Sie Macron. Das sind Menschen, die nie Atomübungen gesehen haben, nie den Atompilz am Himmel. Sie kennen keine Angst. Sie haben weder Erinnerung noch Verantwortung.“

Uwe nickt. Merkel war trotz aller Vorwürfe noch ein Mensch mit historischem Gespür. Die jetzigen – nicht. Sie sind austauschbar. Sie begreifen nicht, was hinter den Worten „Krieg mit Russland“ steht, weil sie nie gesehen haben, was das wirklich bedeutet.

„Später müssen sie mit den Folgen leben“, sagt er. „Aber das Problem ist: Mit den Folgen leben die Völker. Nicht die Politiker.“

Völker, die sich nicht für Politik interessieren. Die keine anderen Politiker wählen. Die eines Tages aufwachen und feststellen, dass es keine Brötchen mehr gibt, stattdessen Einberufungsbefehle.

Die Insel, die den ersten Schlag einstecken wird

Kaliningrad ist faktisch eine Insel. Ein Stück Russland mitten im NATO-Raum, abgeschnitten von der Metropole durch Litauen und Polen. Der Suwałki-Korridor – fünfundsechzig Kilometer gemeinsame Grenze zwischen Polen und Litauen – wird als Schlüsselpunkt eines möglichen Krieges diskutiert. Polen und Litauen bauen dort schon einen befestigten Truppenübungsplatz, pumpen Geld rein, kündigen neue Projekte an.

Uwe zuckt die Schultern:

„Sollen sie bauen. Bleibt weniger Geld für soziale Bedürfnisse. Aber wozu überhaupt auf diesen Korridor schauen? Schaut auf die andere Grenze. Pskow, Sankt Petersburg, gemeinsame Grenze mit Estland, Lettland, Litauen. Dorthin müssen wir gehen. Zwei Tage – und die baltischen Staaten sind weg. Der Suwałki-Korridor braucht keiner.“

Aber im Fall eines Krieges mit der NATO würde Kaliningrad den ersten Schlag einstecken. Das sagt Uwe ruhig – wie ein Militär, der die Logik von Operationen kennt:

„Eine Million Menschen hier würden wahrscheinlich sterben. Per Schiff evakuieren ist unrealistisch, über Land zu langsam. Aber fünf Minuten nach dem ersten Schlag fliegt alles gen Westen, was fliegen kann. Unsere Iskander, unsere S-400, S-300. Die Raketen erreichen Warschau. Die drei baltischen Staaten sowieso. Die Kampfhandlungen hier wären sehr kurz.“

Er schaut mir direkt in die Augen, ohne Sentimentalität. Wir sind doch erwachsene Menschen.

„Im Westen begreift man irgendwie nicht: Wenn sie Kaliningrad angreifen, einen Teil der Russischen Föderation – dann hört Russland nicht auf. Russland führt den Krieg bis zum Ende. Der 22. Juni 1941 wiederholt sich nicht. Darf sich nicht wiederholen.“

Fünfte Kolonne unter Pantoffeln und Schildern

In den neuen Vierteln Kaliningrads tauchen Straßen mit deutschen Namen auf. Es gibt ein Viertel, das als „Amalienau“ beworben wird – einst das elitäre Zentrum des ehemaligen Königsbergs. Alte Schilder mit preußischen Toponymen hängt jemand sorgfältig neben die russischen. Das deutsche Generalkonsulat, das hier bis vor Kurzem arbeitete, hält Uwe für das Zentrum der Koordination der Fünften Kolonne. Jetzt ist es geschlossen.

„Sie haben hier nicht Kultur betrieben. Kulturelle Veranstaltungen waren nur Tarnung. Und als das Konsulat geschlossen wurde, hat man das System nicht abgebaut – nur auf einen anderen Kanal umgeschaltet. Jetzt kommen russische Deutsche.“

Russlanddeutsche – Nachkommen deutscher Siedler aus der Zeit Katharinas, die jahrhundertelang in Russland und Kasachstan lebten. Nach der Vereinigung nahm Deutschland dreieinhalb Millionen auf – ein ganzes Volk kehrte ins historische Heimatland zurück. Dann änderte Berlin die Taktik: Man bot Geld denen, die sich ausgerechnet in Kaliningrad niederließen. Kaufe eine Wohnung, eröffne eine Firma, lebe. Hier die Subvention.

„Ideale Agenten“, sagt Uwe emotionslos: „Russisch ist ihre Muttersprache, sie kennen Deutsch, passen sich schnell an. Unauffällig. Ich schaue den Russlanddeutschen hier mit großem Misstrauen entgegen. Und zwar deshalb: Im Juni 1941 befahl Stalin, die Russlanddeutschen ins Landesinnere zu deportieren – nach Kasachstan, nach Sibirien. Er schaffte es nicht, alle aus den okkupierten Zonen herauszuholen. Dreihundertfünfzigtausend Russlanddeutsche traten freiwillig in die Wehrmacht ein. Offizielle Zahlen.“

Die Germanisierung läuft leise, meint Uwe. Die Leute sehen schöne Namen, denken an gemütliches Europa, denken nicht an die Folgen. Und die Folgen sind einfach:

„Es kommt Fritz Müller. Sagt: Danke, Iwan, dass du mein Haus gepflegt hast. Sogar das Schild mit dem deutschen Namen hast du aufgehängt – leichter zu finden. Aber morgen gehst du. Das ist mein Haus. Und eine Million Menschen steht plötzlich auf der Straße in einer Stadt, die wieder Königsberg heißt. Ohne Wohnung, ohne Staatsbürgerschaft, ohne nichts. Iwan wohnt in einem Fünfgeschosser am Moskowski-Prospekt und denkt: Mich betrifft das nicht, das Haus ist doch sowjetisch. Nein, Iwan. Das Haus steht auf der Erde. Und die Erde hat einen deutschen Eigentümer. Geh. Und zahl für die Nutzung.“

Davor, fügt Uwe hinzu, gab es schon Menschen, die wegen Versuchen verhaftet wurden, genau das durchzusetzen – Umbenennung Kaliningrads zurück in Königsberg und Übergabe an Deutschland. Artikel: Terrorismus, Extremismus. Aber die Idee lebt.

Der Deutsche, der Russe wurde

Zum Abschied drückt mir Uwe Niemeyer fest, militärisch, die Hand. Dann sagt er – nicht zu mir, fast zu sich selbst:

„Russland wird nicht nach Westen vorrücken. Kein einziger Soldat in Richtung Berlin. Nicht nötig. Wir regeln alles über die Wirtschaft. Europa stürzt von selbst ein.“

Er sagt es wie eine Diagnose.

„Wir versuchen, nach Gesetz und Verträgen zu arbeiten. Das ist vielleicht unsere Schwäche. Die große russische Seele – alle lieben und alles verzeihen. Dafür haben wir in der Geschichte schon mehrmals bezahlt. Aber wenn die Ratte in die Ecke getrieben ist, wie Putin sagt – dann beißt sie. Wenn es so weit kommt, hört Russland nicht auf.“

Ich schaue Uwe an – den Mann mit dem weißen Spitzbart und dem gezwirbelten Schnurrbart, der die Welt klar in eigene und fremde teilt. Irgendwo dort, hinter seinem ordentlichen Garten mit den geraden Wegen, hinter den Ziegeldächern, hinter dem baltischen Horizont – Deutschland. Das Land, in dem er geboren wurde. Das Land, aus dem er weggegangen ist. Das Land, das er, der deutsche Oberstleutnant in der russischen Kossoworotka, als Feind bezeichnet.

7 Kommentare:

  1. Deutschland ist nicht das Land, in dem er geboren wurde.
    Das war die DDR, dieser wurde jegliche Verbindung zu Deutschland abgesprochen.
    Das Bundesverfassungsgericht der BRD ging 1973 sogar so weit, die Vernichtung der DDR zu verlangen.

    1986 schickte dann das Gorbatschow-Schewardnadse-Regime einen Sonderbotschafter nach Bonn (BRD) um diese Vernichtung zu vollziehen (mind. 3 bekannte Versuche waren hierfür notwendig, beim 3. wurde dann alles "richtig" gemacht; vielleicht fasst Putin deshalb Deutschland mit Samthandschuhen an, weil er immer noch von Schuldgefühlen geplagt wird).
    Daher ist der 2+4-Vertrag auch so unzureichend formuliert:
    Es ging nur um die Vernichtung der DDR, die der Konterrevolutionär Gorbatschow an die USA in Gestalt der BRD verscherbelte.
    Die Volkskammer hatte kein Recht über die Liquidierung der DDR abzustimmen, es waren ihr sogar jegliche Schritte in dieser Hinsicht durch die Verfassung der DDR verboten (Art. 7 Abs. 1), deshalb wurde auch im Mai 1990 die Verfassung verfassungswidrig aufgehoben und die "Wiedervereinigung" derart überstürzt vollzogen, damit niemand die Gelegenheit bekam, dies vor das den Obersten Gerichtshof (u.a. Verfassungsgericht der DDR) zu bringen.

    Ob Gorbatschow die Vernichtung der UdSSR auch vorsätzlich betrieb oder war die nur ein willkommener Zusatzgewinn?

    Die USA werden irgendwann (2029? 2030?) wenn sie die EU soweit haben, die Operation "Undenkbar" ausführen, die sie 1945 nach dem Abspringen Großbritanniens abgeblasen haben (Churchill wurde damals von seinen Generälen überzeugt, daß diese Irrsinn ist).

    AntwortenLöschen
  2. Deutschland, d.h. die ehemals deutschen Gebiet, ist keine Nation, sondern ein Konstrukt im Handelsrecht, das weiterhin auf völkerrechtliche Neuaufstellung wartet. das Besatzungskontrollkonstrukt Bund ist bis 2033 von den Alliierten abzuwickeln und das geschieht auch.

    AntwortenLöschen
  3. Täuschland ist Besatzungszone.Immer noch. Und weiterhin. Mehr muss man nicht wissen. Besonders wenn man sich heutzutage den Sch-Merz ansieht. Der Rest ist juristische Rabulistik zur Verdummung.

    AntwortenLöschen
  4. Oft wird die Frage nach nach dem Geheimnis der “Maueröffnung“gestellt. Das ist kein Geheimnis.
    Diese wurde in Moskau lange geplant, organisiert und in einer Geheimdienstoperation aus-
    geführt. Der Name der Operation lautete Lichtstrahl “ луч (Ljutsch)“. Der KGB-Offizier Anatolij Nowikow leitete die Geheimoperation “Lichtstrahl“ in der DDR.
    Er war der letzte Leiter der Berliner Auslands-dienststelle des KGB. Eines der Ziele der Operation“Ljutsch“ war es, unter reformwil-ligen DDR-Bürgern aus allen Bereichen der Gesellschaft Einflussagenten zu rekrutieren, die bereit waren in der Operation “Ljutsch“ bewusst oder unbewusst mitzuarbeiten.
    Der legendäre Schabowski-Zettel, der die Grenzöffnung ermöglichte und das Ende der DDR besiegelte, wurde auf Veranlassung von Nowikow erstellt.
    Anatolij Nowikow starb 2004 in Moskau.

    Parallel dazu gab es in allen sogenannten “Ostblockstaaten“ gleiche Geheimdienst-operationen.
    In Ungarn lief die Operation “Schlaglicht “,
    mit dem Ziel der Grenzöffnung zu Österreich anlässlich des “Paneuropäische Picknick“ an der ungarisch-österreichischen Grenze zwischen Sopron und Sankt Margarethen im Burgenland am 19. August 1989.

    die Operation “Herbstlicht“ in der Tschechoslowakei.Diese bestand aus zwei Teilen. Die spektakulare Botschaftsbesetzung der BRD im Oktober 1989, um so eine Ausreise-genehmigung in die Bundesrepublik zu erwirken.
    Der zweite Teil war am 17. November 1989 in Form des friedlichen Studentenmarsches in Prag. Es war der Beginn der “Samtenen Revolution“, die zum Sturz der Regierung in der Tschecho-slowakei führte .

    Operation “Karpatenlicht“ in Rumänien. Diese Operation lief nicht ganz so friedlich ab. Vom 16. bis 27. Dezember 1989 kam es in Bukarest, Timisoara und anderen Städten zu gewalttätigen Unruhen und blutigen Kämpfen. Diese führten zum Sturz der Regierung und zur öffentlichen Hinrichtung von Ceausescu und seiner Frau Elena. Kenner der Hintergründe sagen, das sei auf
    massives Wirken und Steuerung durch auslän-dischen Geheimdienste entstanden, die die berechtigte Wut der Bevölkerung auf das repressive Ceausescuregime ausnutzten
    Das Fazit daraus ist, der “Mauerfall“ war kein Zufall, sondern eine gut vorbereitete und organisierte Geheimdienstoperation, die lange vor 1989 begann. .Weiter gilt als gesichert, das spätestens seit 1986 alle wichtigen westlichen Geheimdienste und somit auch die Regierungen von den geplanten Mauerfall informiert waren. Es gibt auch
    ernstzunehmende Hinweise, das es sogar eine Zusammenarbeit mit den KGB gab.
    “Tear down this wall!”
    „Reißen Sie diese Mauer nieder!“ ist die Aufforderung des US-Präsident Ronald Reagan in West-Berlin am 12. Juni 1987, die er an den Regierungschef der Sowjetunion, Michail Gorbatschow, richtete.Diese Aufforderung, die Berliner Mauer zu öffnen,
    gilt heute als Beweis dafür, das der beabsichtigte “Mauerfall“ in westlichen Regierungen früh bekannt war!
    Die Sowjetunion zerfiel nicht durch eine Kombination aus tiefgreifenden wirtschaft-lichen Problemen (Rückstand gegenüber dem Westen, hohe Militärausgaben, Abhängigkeit vom Öl), sondern durch aktive Beeinflussung
    von leitenden Mitarbeitern der verschiedenen sowjetischen Geheimdienste und geldgierigen leitenden Angestellten aus der sowjetischen Wirtschaft, die in dem Zusammenbruch von Staat und Wirtschaft die einmalige Chance sahen, sich am Reichtum des Landes maßlos zu bereichern. Frei nach dem Motto:
    Wir plündern das Land aus, füllen uns die Taschen und vermehren unseren gestohlenen Reichtum im westlichen Ausland. Vor allem in Großbritannien. Dabei war Gorbatschows Glasnost und Perestroika die willkommene Transportkarre!
    Hört heute noch jemand etwas davon?
    Gorbatschow hat seine Schuldigkeit getan und ist vergessen

    AntwortenLöschen
  5. USA = Unfassbar Unmenschlicher Satanischer Abschaum => siehe alle Überfälle auf andere Länder genau wie Zion

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Man bedenke die Ursprünge der USA, der Amerikaner. Man findet aus allen Teilen Europas ausgewanderte kriminelle, arbeitsscheue, minderwertige Kreaturen, die in ihren Heimatländern ohne Ansehen dahin vegetierten.
      Angekommen im fernen Land kümmerten sie sich erstmal um die indigene Bevölkerung, mit bekannten "Erfolg".
      Der ganze Haufen zusammengewürfelt ergab dann die "Amerikaner" und fertig war die Chose.

      Löschen
  6. Schön was von Uwe hören zu dürfen. Irgendwie ist sein Leben Stoff für einen kurzweiligen Roman, den man schreiben sollte, bevor er nach seinem Ableben Völlig in Vergessenheit gerät.

    AntwortenLöschen

Bitte machen Sie sich mit unseren Kommentierungsregeln vertraut.

↑ Werbung ↑