Die US-amerikanische Nichtregierungsorganisation Military Religious Freedom Foundation (MRFF), die seit 2005 für die Religionsfreiheit in den Streitkräften eintritt, ist seit Beginn der US-israelischen Angriffe auf den Iran mit Beschwerden überflutet:
Über 200 Anrufe und E-Mails von Soldaten aller Teilstreitkräfte – Heer, Marine, Luftwaffe, Marineinfanterie und Space Force – aus mehr als 50 Stützpunkten erreichten die Organisation seit Samstag.
Die Soldaten berichten von Kommandeuren, die auf Briefings zur Gefechtsbereitschaft mit sichtbarer Freude und Euphorie erklären, der laufende Krieg gegen den Iran sei „Teil des göttlichen Plans Gottes“. Sie berufen sich dabei auf Bibelstellen aus dem Buch der Offenbarung (Apokalypse), sprechen vom bevorstehenden Armageddon – der endzeitlichen Schlacht – und vom unmittelbar bevorstehenden zweiten Kommen Jesu Christi.
Ein besonders krasser Fall stammt von einem Unteroffizier (NCO), der im Namen von 15 Kameraden – darunter mindestens elf Christen, ein Muslim und ein Jude – schrieb: Der Kommandeur habe die Truppe aufgefordert, keine Angst zu haben, denn alles, was derzeit im Iran geschehe, sei „alles Teil von göttlichem Plan“. Er habe mehrere Zitate aus der Offenbarung angeführt und wörtlich gesagt: „Präsident Trump ist von Jesus gesalbt worden, um in Iran das Signalfeuer zu entzünden, Armageddon auszulösen und die Rückkehr Christi auf die Erde einzuleiten.“
Die Kommandeure sollen diese Aussagen mit breitem Lächeln und Begeisterung vorgetragen haben. Sie forderten die Soldaten auf, sich nicht zu fürchten, sondern sich sogar zu freuen – schließlich erfülle sich damit biblische Prophetie.
Die MRFF schützt die Identität der Beschwerdeführer, um Repressalien durch das Verteidigungsministerium zu verhindern. Die Organisation wertet die Vorfälle als eklatanten Verstoß gegen die Verfassung der USA und das Prinzip der Trennung von Kirche und Staat in den Streitkräften. Das Navigieren religiöser Überzeugungen in offiziellen militärischen Briefings verletze die Religionsfreiheit der Soldaten – einschließlich derer, die keiner christlichen Endzeit-Theologie anhängen oder gar keiner Religion angehören.
Das Pentagon hat sich bislang nicht zu den Vorwürfen geäußert. Während die USA und Israel seit Ende Februar massive Luftschläge gegen iranische Ziele fliegen – darunter Kommandozentralen, Raketenstellungen und nuklearrelevante Einrichtungen –, scheint in Teilen der militärischen Führung eine radikale eschatologische Deutung des Konflikts um sich zu greifen.
Kritiker warnen: Solche Aussagen könnten die Disziplin untergraben, die Moral belasten und die Glaubwürdigkeit der US-Streitkräfte international beschädigen – insbesondere in einem Krieg, der bereits jetzt regionale Dimensionen annimmt und Tausende Menschenleben fordert.
Die MRFF fordert eine sofortige Untersuchung und klare Weisungen des Verteidigungsministeriums, dass religiöse Interpretationen des Krieges in offiziellen Kontexten untersagt sind.

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