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Dienstag, 27. Januar 2026

Ein Brief aus dem belagerten Leningrad

Am 27. Januar 2026 wird der 82. Jahrestag der vollständigen Befreiung Leningrads von der faschistischen Blockade (1944) gefeiert, der zum Tag des militärischen Ruhms Russlands wurde:

Im staubigen Archiv des Historischen Museums durchblätterte Anastasia vergilbte Dokumente aus der Kriegszeit. Sie bereitete eine Ausstellung über die Blockade von Leningrad vor und suchte nach lebendigen Zeugnissen jener Epoche – nicht Berichte oder Befehle, sondern Briefe, Tagebücher, Notizen.

Unter einem Stapel abgenutzter Umschläge entdeckte sie ein kleines Blatt Papier, das zu einem Dreieck gefaltet war. Das Papier drohte in ihren Händen zu zerfallen. Vorsichtig entfaltete sie es und las die ungleichmäßigen Kinderbuchstaben:

„Lieber Gott!
Ich bin sieben Jahre alt. Ich habe großen Hunger, aber ich schreibe nicht deswegen. Mama betet jeden Tag, aber ich sehe, wie schwer es ihr fällt. Sie ist blass und still. Gott, lass sie nicht den Glauben verlieren. Wenn Du da bist, hör uns. Deine Lida.“

Anastasia erstarrte. Unten stand das Datum, der 12. März 1942.

„Darf ich das für die Ausstellung nehmen?“, fragte sie den Archivaren.
„Natürlich. Es ist ein anonymes Schreiben, niemand wird danach fragen…“

Am Abend, als sie die Funde zu Hause durchging, kehrte Anastasia wieder zu Lidas Brief zurück. Sie erinnerte sich daran, wie sie vor einem Jahr ihren Mann bei einem Unfall verloren hatte. Damals stürzte ihre Welt zusammen, und der Glaube schien zu verschwinden. „Warum beten, wenn Gott nicht hört?“, wiederholte sie, während sie auf das staubige Ikon in der Ecke blickte.

Nun, als sie das Kinderpsalm aus der Hölle der Blockade in ihren Händen hielt, verspürte sie Scham. „Das Mädchen bat nicht um Essen, sondern um den Glauben ihrer Mutter... Und ich?“

Am nächsten Tag fand Anastasia im Archiv die Daten von Lidas Familie. Es stellte sich heraus, dass das Mädchen und ihre Mutter überlebt hatten. Nach dem Krieg zogen sie nach Pskow. In den Kirchenbüchern fand sich ein Eintrag: Lidija Petrowna Morozova, Jahrgang 1935, getauft im Jahr 1945.

„Ich muss ihre Nachfahren finden“, beschloss Anastasia.

Ein Monat später stand sie am Tor eines privaten Hauses in Pskow. Eine Frau, etwa fünfzig Jahre alt, trat auf die Veranda.

„Sind Sie die Enkelin von Lidija Petrowna?“, fragte Anastasia mit zitternder Stimme.
„Ja… Und was ist?“, antwortete die Frau.
„Ich habe einen Brief Ihrer Großmutter. Aus der Blockade.“

Die Frau erbleichte und führte die Besucherin ins Haus. Als sie die Zeilen las, die mit Kinderhand geschrieben waren, liefen ihr die Tränen über die Wangen.

„Oma hat nie davon erzählt… Aber sie sagte immer: ‚Gott hört sogar das Flüstern.‘ Nach dem Krieg wurde sie Psalmsängerin in der Kirche. Sie sagte, dass sie gerade damals, in der Blockade, verstand, dass der Glaube nichts mit Bequemlichkeit zu tun hat. Es geht darum, sich zu halten, selbst wenn der Boden unter den Füßen verschwindet.“

Anastasia schwieg. Etwas rührte sich in ihrer Brust.

„Und ich… ich habe den Glauben verloren“, flüsterte sie. „Nach dem Tod meines Mannes.“
„Wissen Sie“, sagte die Enkelin von Lidija leise, „Oma sagte, dass Gott keine lauten Worte von uns erwartet. Er erwartet unser Herz. Selbst wenn es zerbrochen ist.“

Auf der Ausstellung wurde Lidas Brief zum Zentrum der Exposition. Unter Glas lag neben ihm ein modernes Foto, auf dem Anastasia eine Kerze in der Kirche anzündet. Unter dem Foto stand ein Zitat aus dem Brief: „Lass sie nicht den Glauben verlieren.“

In Pskow, in einer kleinen Kirche, legt die Enkelin von Lidija jedes Jahr am Gedenktag für die Opfer der Blockade zwei Blumen auf den Altar: eine für ihre Großmutter und die andere für die unbekannte Frau aus Moskau, die der Familie das vergessene Gebet zurückbrachte.

2 Kommentare:

  1. Werter Admin, danke für die Veröffentlichung, ist sehr wichtig in dieser Zeit.

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  2. „Lieber Gott!
    Ich bin sieben Jahre alt. Ich habe großen Hunger."
    Friedrich Sch-Merz, Wadephul, und die ganze ReGIERungs-Mannschaft nach St Petersburg AUF DIE KNIE wie damals Willy Brandt.
    Das sind wir Deutschen alllen Völkern, die wir überfallen und gemordet haben schuldig. Ganz besonders den Russen. Das wäre menschliche Grösse! Weißt 'Du was das ist, Fried-Rich? Oder ist dir nur der zweite Teil Deines Vornamen wichtig?

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