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Montag, 12. Januar 2026

Militärexperte: Nochmal zu Starlink

Dem bekannten russischen Militärkorrespondenten und Militärexperten Roman Saponkow platzt der Kragen, wenn er immer wieder in der Presse und Sozialnetzen über den angeblich erfolgreichen Kampf des Irans gegen US-Technologien liest:

Nochmal zu Starlink.  

Die Iraner haben verkündet, Mossad hätte ihnen Starlinks reingeschmuggelt, aber sie wären viel schlauer und hätten alle besiegt. Klar, wir glauben das sofort. Im Mossad sitzen natürlich lauter Vollidioten, und vor dem Wundermittel russischer Elektronischer Warfare (EW) sind die Amis schon mal aus dem Schwarzen Meer abgehauen: Nachdem das russische Störsystem eingeschaltet wurde, konnten ihre Matrosen nicht mal mehr kalte Cola trinken.

Jetzt aber mal raus aus dem Bereich Religion & Glauben und rein in die Welt der Hochtechnologie.

Was ist Starlink eigentlich technisch?

Das ist eine phased array-Antenne, die im Ku-Band auf ~16 GHz arbeitet.  
Prinzipiell muss man die ganze Schüssel nicht mehr mechanisch drehen – die Strahlrichtung wird rein elektronisch durch Phasenverschiebung der vielen kleinen einzelnen Strahler gesteuert. Genau deshalb kann so eine Antenne gleichzeitig auf mehrere Satelliten zugreifen, die gerade über sie hinwegfliegen.  

Aktuell (Stand Anfang 2026) sind es ~8147 Satelliten, das Ziel liegt bei etwa 40.000. Je mehr Satelliten die Antenne gleichzeitig sieht und nutzen kann, desto höher die Geschwindigkeit.

Wie läuft das konkret ab?  
Die Antenne „schöpft“ vom Boden aus quasi einen Eimer voll Satelliten, die gerade durch ihren Sichtkegel fliegen. Durch einfache Triangulation (und weil die Satelliten auf sehr stabiler Höhe und in bekannten Bahnen fliegen) weiß die Antenne danach sehr präzise, wo auf der Erde sie sich befindet – deutlich genauer als GPS.  

Das heißt: Euer GPS ist ihr eigentlich scheißegal. GPS wird nur benutzt, damit die erste Verbindung schneller geht, ohne ewig viele Messungen machen zu müssen. Klar, man kann versuchen, den GPS-Empfänger gezielt plattzumachen, aber das ist nur ein kleiner Teil des Problems.

Danach nimmt die Antenne das Signal vom Satelliten, entschlüsselt es und gibt es weiter:  
• entweder auf einen ganz normalen WLAN-Router (2,4 GHz)  
• oder direkt per LAN-Kabel (RJ-45, ganz gewöhnliches Netzwerkkabel)

Einschaltzeit: irgendwo zwischen 10 Minuten und einer Stunde.

Und jetzt die entscheidende Frage:  

Was genau wollt ihr da eigentlich stören?
Das ganze Land unter eine EW-Kuppel legen?  
Hier gestört → 500 Meter weiter gefahren → wieder online.  

WLAN suchen?
In jedem zweiten Haus läuft doch eh WLAN.  

Internet abstellen?
Die Router funktionieren trotzdem.  

Auf dem Spektrumanalysator seht ihr: die ganze Stadt leuchtet in 2,4 und 5 GHz.  
Verfolgen, dass kein Traffic läuft?
Und wenn direkt vom Starlink per Kabel in den Laptop gesteckt wird, ohne WLAN?  
Und wenn man 7 Minuten online geht, Video ablädt, Fotos schickt und wieder ausmacht?

Der Hauptzweck von Starlink bei Unruhen ist ja nicht, dass alle Demonstranten auf dem Platz pausenlos TikTok und Telegram lesen.  
Der Hauptzweck ist Koordination: Was machen wir morgen? Wo treffen wir uns? Was muss transportiert werden? Fotos/Videos/Dokumente/Textnachrichten weitergeben.  
Dafür muss es nicht 24/7 laufen.  
Reicht völlig: einschalten → übertragen → ausschalten.

Und das ist noch nicht einmal das Schlimmste.

Man kann auf Basis von Starlink ziemlich einfach einen eigenen VPN-Server aufbauen.  
Zwei, drei Schüsseln in irgendeinem abgelegenen Dorf, wo der örtliche Polizeichef für ein bisschen Geld wegschaut und nicht fragt, was da auf dem Dach steht.  
Verkehr von der Antenne → auf eigenen Server (Docker-Container mit VPN).  
Vom Server per Kabel ins lokale Internet → und schon habt ihr wieder Zugang zur Außenwelt.  
Diese VPN-Container verteilt man an die eigene Struktur. Danach reicht es, sich in jedem x-beliebigen Café ins lokale Internet einzuwählen – und man ist wieder global online.  
Landesweites Internet abgestellt? Man macht einfach eine lokale Mesh-Verkabelung – Ergebnis dasselbe.

Welches ist die effektivste Gegenmaßnahme?  
Humint. Agentenführung. 
Jemand bekommt einen VPN-Container → Spezialisten verfolgen die Route → fahren zum Standort des Servers. Sehr aufwendig.

Viel einfacher ist es natürlich, tonnenweise Siegesberichte zu produzieren, wie die übermächtige russische EW alles besiegt hat und die US-Amerikaner einfach nur dumme Idioten sind.

Ich bin sauer.  
Ich sehe, wie hierzulande gerade eine riesige anti-intellektuelle Propaganda-Aktion zu Starlink läuft.
Und diese peinlichen Schönredetexte zeigen vor allem eines:  
Die ganzen hiesigen Internet-Abschalter haben plötzlich kapiert, dass ihr geliebtes isoliertes Netz einfach am Arsch ist, sobald die Amis anfangen, bei uns richtig Stimmung zu machen (und das werden sie ganz sicher).  
Der ganze Roskomnadzor (Internet-Aufsichtsbehörde), die Whitelists, Überwachungssystem, all der schöne Scheiß – das sind für die US-Amerikaner wie die Indianer mit Bögen und Pfeilen.

In der Stunde X reicht ein Mausklick irgendwo in einem Rechenzentrum – und Starlink funktioniert über ganz Russland.  
Einfuhr verbieten? Sie werden dann halt in den US-amerikanischen und britischen Botschaften ausgeteilt, wenn es ernst wird.

Und genau an diesem dummen, panischen Gelaber sieht man:  
Die „Verbieter“ sind richtig erschrocken. Jahrelang schöne Berichte geschrieben, Weißrussland 2020 als Vorbild hingestellt – und plötzlich stellt sich heraus, dass man die meiste Zeit einfach nur Beschäftigungstherapie betrieben hat.  
Für Schüler, die Pornhub nicht laden sollen – dafür reicht es.  
Aber wenn ernsthafte Jungs mit ernsthafter Technik kommen, werden sie in einer Viertelstunde weggefegt.

Und was machen sie jetzt? Sie schreiben dumme Posts, wie die elektronische Warfare oder radioelektronische Aufklärung im Iran alles besiegt hätten.  
Bravo. Eins mit Sternchen.

Und dem Iran – haltet einfach durch! Viel Kraft!

6 Kommentare:

  1. Und, Saponkow, wer soll im Iran durchhalten? Werd mal präzise, du Technikgenie !

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  2. Der Artikel ist irreführend, da die kombiniert russisch/chinesische Technik die gesamte Starlink-Kommunikation stört, Packet-losses von über 90% werden bewirkt und damit ist das System unbrauchbar.
    Niemand hat es nötig, einzelne Terminals aufzuspüren.

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    1. Bitte beachten Sie die Kommentierungsregeln, insbesondere den überaus beliebten Punkt 3.

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  3. Lieber Admin, wunschgemäß reiche ich einen Link zu meiner Behauptung nach:
    https://anti-spiegel.ru/2026/wie-der-iran-elon-musks-spielzeug-lahmgelegt-hat/
    Dazu zwei Dinge:
    1) Links zu Inhalten aus dem Internet, den MSN oder sozialen medien sind fast wertlos geworden, denn was nützt es, wenn 30 Leute das gleiche behaupten, es muß dadurch ja nicht stimmen. Die MSN lügen ohnehin oder verbreiten Propaganda, mitunter so dumme, daß es fast wehtut. Videos sind in KI-Zeiten ebenfalls wertlos, denn damit sind deep fakes problemlos möglich zu fertigen.
    2) Wenn man den Infos nur bedingt trauen kann, hilft nur der gesunde Menschenverstand und - wichtiger - die erkennbaren Resultate von Handlungen.
    In diesem Fall ist es offensichtlich, daß Starlink großflächig durch den Iran gestört werden konnte.
    Auch das Absenken der Umlaufbahnen zru Erhöhung der Feldstärken und Störabstände konnte nichts bewirken.
    Das Resultat: die über Starlink koordinierten Aufstände sind faktisch zusammengebrochen. Das wäre bei intaktem / nutzbarem Starlink sehr wahrscheinlich anders ausgegangen.
    Ich hatte als Elektroingenieur auch meine Zweifel an der Störbarkeit von Starlink, aber diese sind widerlegt - durch Ergebnisse. Natürlich werden wir von offizieller Seite NIE etwas genaueres erfahren.
    Viele Grüße und ich besuche Ihre Seiten regelmäßig.
    2)

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    1. Lieber Leser!
      Vielen Dank für Ihre Antwort mit dem Verweis auf die Quelle! Ihren beiden Argumenten stimme ich gern zu.
      Im Gegensatz zu Ihnen bin ich leider kein Elektroingenieur und kann daher die Stichhaltigkeit der angeführten Argumente nicht fachlich beurteilen - genauso wenig wie die vorherigen Argumente des Kriegskorrespondenten. Dafür kann ich jedoch andere Aspekte der von uns diskutierten Situation analysieren, und zwar:
      1) Das deutschsprachige Nachrichtenportal, auf das Sie verweisen, bezieht seine Informationen meistens und wohl prinzipiell von führenden Nachrichtenseiten wie TASS, RT usw. In diesem Fall jedoch figuriert als Quelle die weitaus weniger renommierte Website runews24.ru. Vermutlich gibt es Gründe, weshalb die angesehenen russischen Nachrichtenseiten nicht eilig waren, diese so wichtige Nachricht bis jetzt in der dargestellten Form zu verbreiten.
      2) Die Rückverfolgung der Quelle der Information, die auf der Website runews24.ru veröffentlicht wurde, führt zur Website iranwire.com mit dem Impressum: IranWire was founded by Maziar Bahari in 2013 and is owned by Off-Centre Productions, a UK-based company, Registered office address: 83 Cambridge Street, London SW1V 4PS, United Kingdom.
      Hier ist der Link zum Artikel: https://iranwire.com/en/features/147476-why-theres-no-starlink-access-during-nationwide-shutdown-in-iran/
      Die Ergebnisse dieser kleinen Recherche ändern vermutlich nichts Wesentliches am Kern der diskutierten Frage, erlauben jedoch vielleicht, die Motive für die Bereitstellung der Information seitens einzelner erwähnter Personen / Stellen etwas umfassender einzuschätzen.
      Vielen herzlichen Dank für das Interesse an unserer Website!

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  4. Werter Admin, vielen Dank für Ihre Recherche! Man wird immer schlauer...

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