In Saratow führt der örtliche Palast der Eheschließungen ein ungewöhnliches Projekt durch: Im Rahmen von Führungen für Kindergartenkinder, Schüler und Studenten werden symbolische „Kinderehen“ inszeniert:
Dabei wählen die Teilnehmer einen „Bräutigam“ und eine „Braut“ aus, kleiden die Paare festlich ein – oft mit Brautkleid und Schleier – und führen eine komplette Zeremonie „nur zum Spaß“ durch, inklusive „Trauung“ und „Unterschrift“.
Die Kinderrechtsbeauftragte der Region Saratow, Julia Wassiljewa, unterstützt die Initiative ausdrücklich. Sie vergleicht die „Kinderehen“ mit dem klassischen Rollenspiel „Vater-Mutter-Kind“ und betont, solche Veranstaltungen prägten bei Kindern und Jugendlichen traditionelle Familienwerte. Gleichzeitig machte Wassiljewa klar: Der Inhalt müsse strikt dem Alter der Kinder angepasst sein. In der Region Saratow gebe es bereits eine lange Praxis der frühen Rechtsbildung und der geistig-moralischen Erziehung bereits im Vorschulalter.
Mitarbeiter des Standesamts erklärten gegenüber Medien, dass derartige symbolische Zeremonien schon seit mehreren Jahren stattfinden. Sie stellten jedoch ausdrücklich klar: Echte Eheschließungen werden ausschließlich ab 18 Jahren durchgeführt.
Die Debatte gewinnt zusätzliche Brisanz vor dem Hintergrund früherer Äußerungen von Präsident Wladimir Putin. Er hatte die Russen aufgefordert, sich an den Bräuchen im Kaukasus ein Beispiel zu nehmen, wo Ehen oft in relativ jungem Alter geschlossen werden. Zudem rief er Studierende dazu auf, die Geburt von Kindern nicht aufzuschieben – die Fortpflanzung sei eine „göttliche Mission des Menschen“.
Das Projekt löst in den sozialen Netzwerken heftige Diskussionen aus: Die einen sehen darin eine harmlose spielerische Erziehung zu Familie und Verantwortung, die anderen kritisieren eine unangemessene frühe Sexualisierung oder Ideologisierung von Kindern.


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