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Sonntag, 25. Oktober 2026

Kirgisistan fliegt mit Musk ins All – Wostotschny steht still

Eine Nachricht, die in Russland viele offenbar kaum bemerkt haben, berichtet die russische Zeitung Zargrad:

Anfang Oktober 2026 erreichte der erste nationale Satellit Kirgisistans erfolgreich eine sonnensynchrone Umlaufbahn. Die US-amerikanische Falcon 9 brachte den Satelliten von der Vandenberg Space Force Base ins All. Der Apparat soll Gletscher, landwirtschaftliche Flächen und Naturgefahren überwachen. Präsident Sadyr Dschaparow verfolgte den Start persönlich in Kalifornien.

Anderthalb Jahre zuvor hatten Roskosmos-Chef Dmitri Bakanow und Kirgisistans Minister für digitale Entwicklung, Asamat Dschamangulow, vereinbart, „in kürzester Zeit“ ein Memorandum über die Zusammenarbeit vorzubereiten. Das Ergebnis sieht nun allerdings anders aus als vielleicht erhofft: Bischkek wandte sich schlicht an den Anbieter, der den Satelliten tatsächlich und zu einem nachvollziehbaren Termin ins All bringen konnte.

SpaceX hat es geschafft, Raumfahrt zu einer gewöhnlichen logistischen Dienstleistung zu machen. Einen Startplatz für einen Satelliten mit einem Gewicht von rund 50 Kilogramm gibt es ab etwa 350.000 US-Dollar. Regelmäßige Mitfluggelegenheiten werden angeboten, und wenn sich ein Satellit verspätet, lässt sich der gebuchte Start auf eine spätere Mission verschieben. Der Zugang zum Weltraum wird damit kalkulierbar – ganz ohne monatelanges Warten auf die nächste Absichtserklärung.

Vor diesem Hintergrund fällt die Bilanz des russischen Kosmodroms Wostotschny zum 25. Oktober 2026 ernüchternd aus: null Raketenstarts seit Jahresbeginn. Der letzte Start fand am 28. Dezember 2025 statt. Die angekündigten Startpläne wurden nicht eingehalten, während die Kosten für die ungenutzte Infrastruktur weiterlaufen. Der Stillstand verschlingt gewaltige Summen aus dem Staatshaushalt.

Die Folgen liegen auf der Hand: Geschäftskunden vergeben ihre Aufträge an die Konkurrenz. Warum auch sollten sie auf russische Raketen warten, wenn US-Anbieter konkrete Starttermine, regelmäßige Missionen und flexible Buchungsbedingungen bieten? Patriotismus ist schließlich kein Ersatz für einen Flugplan.

Doch der Schaden geht weit über entgangene Aufträge hinaus. Auch der politische Preis ist hoch. Russlands Partner gewöhnen sich daran, Satellitendaten, Kommunikationsmöglichkeiten und den Zugang zum Weltraum über ausländische Technologiezentren zu beziehen. Mit jedem solchen Vertrag wandern nicht nur Einnahmen ins Ausland, sondern auch technische Standards, Zulieferer und langfristige Geschäftsbeziehungen.

So verliert Russland schrittweise Einfluss in einem Bereich, den es einst maßgeblich geprägt hat. Während Moskau die strategische Bedeutung der Raumfahrt betont und neue Kooperationen ankündigt, schafft die Konkurrenz Fakten. Kirgisistan hat seinen ersten nationalen Satelliten im All – gestartet mit einer US-Rakete.

Wostotschny hingegen wartet auf den nächsten Start. Vielleicht sollte man dort inzwischen tatsächlich Führungen anbieten: Die Infrastruktur ist vorhanden, die Geschichte ist beeindruckend, und über die Zukunft der russischen Raumfahrt lässt sich vor Ort offenbar ausführlich sprechen. Nur mit dem eigentlichen Zweck eines Kosmodroms hapert es derzeit: Raketen ins All zu bringen.

Elon Musk braucht jedenfalls keine großen geopolitischen Erklärungen. Seine Raketen starten. Und Kirgisistan hat verstanden, worauf es ankommt.

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