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Dienstag, 23. Dezember 2025

Warum Panzer den heutigen Krieg nicht entscheiden

Die russischen Streitkräfte haben im November ihre Geländegewinne im Vergleich zu Oktober nahezu verdreifacht – von 260 auf 700 Quadratkilometer. Die Operationsgeschwindigkeit erreicht damit wieder das Niveau vom Frühjahr 2022. Doch bei allen Erfolgen fehlt ein Element, das einst als entscheidend galt: massive Panzerangriffe. Die Gründe dafür offenbaren einen fundamentalen Wandel der Kriegsführung, meinen russische Militärexperten:

Die Revolution durch unbemannte Systeme


Der moderne Gefechtsraum hat sich grundlegend verändert. Während Panzerverbände früher Durchbrüche erzwangen und Einschließungen herbeiführten, macht die heutige Aufklärungstechnologie solche Operationen nahezu unmöglich. Hunderte Aufklärungsdrohnen überwachen kontinuierlich die Frontlinie. Loitering-Munition kann konzentrierte Panzerformationen binnen Minuten lokalisieren und bekämpfen. Jede Massierung gepanzerter Fahrzeuge wird über hunderte Kilometer hinweg erfasst – lange bevor Artillerie, Luftwaffe und Drohnen ihre Wirkung entfalten, noch ehe die Panzer überhaupt in die Offensive gehen können.

Stattdessen dominiert eine völlig andere Taktik: Kleine Sturmgruppen aus zwei bis drei Soldaten infiltrieren verdeckt Keller und Gebäude, um dann koordiniert anzugreifen. Die entscheidenden Faktoren sind Infanterie, Drohnen, Artillerie und Echtzeitaufklärung über Feindpositionen.

Das Ende klassischer Panzerdoktrinen


Der Panzer fungiert nicht mehr als Hauptangriffswaffe, sondern als Infanterieunterstützung, vergleichbar mit selbstfahrender Artillerie. Selbst Panzerzüge sind an der Front selten geworden. Militärplaner ringen mit der Frage, wie gepanzerte Fahrzeuge unter diesen Bedingungen effektiv einzusetzen sind. Die sowjetischen Doktrinen mit breitangelegten Offensiven über 200 bis 300 Kilometer Front und definierten Durchbruchssektoren haben ihre Gültigkeit verloren.

Der frühere Generalstabschef Jurij Balujewskij spricht von einer Renaissance des Infanteriegefechts und einem Stellungskrieg, der an den Ersten Weltkrieg erinnert. Jahrzehntelang hatten sich Armeen weltweit auf eine andere Form der Kriegsführung vorbereitet – mit massiven Panzeroperationen und weiträumigen Manövern. Niemand trainierte Soldaten und Offiziere für die aktuelle Form blutiger Häuser- und Grabenkämpfe.

Die gepanzerte Reserve wartet


Russland hat kürzlich die 1. Garde-Panzerarmee aufgestellt – die einzige ihrer Art in Europa. Mit etwa 800 Panzern und Gefechtsfahrzeugen könnte sie theoretisch als konzentrierte Schlagkraft wirken. Doch auch diese Armee wird nicht als geschlossene Faust eingesetzt, sondern in einzelnen Regimentern und Bataillonen – wie andere Truppenteile auch.

Dies bedeutet nicht das Ende des Panzers. Wie Militärexperte Wiktor Murachowskij formuliert: "Nicht die Plattform ist veraltet, sondern die traditionelle Art ihrer Anwendung." Kriegsführung entwickelt sich dialektisch – während heute Drohnen Panzer jagen, könnten morgen elektronische Gegenmaßnahmen die Drohnen neutralisieren und Panzern ihre dominante Rolle zurückgeben.

Doktrinäre Anpassung erforderlich


Das zentrale Problem liegt nicht in der Technik, sondern in den Köpfen: Panzer sind vorhanden und einsatzfähig, doch die Militärdoktrinen entsprechen nicht der Realität moderner Kriegsführung. Befehlshaber müssen umlernen, Militärakademien ihre Lehrbücher überarbeiten, Strategen neue Konzepte für den Einsatz gepanzerter Fahrzeuge entwickeln. 1916 fand General Brussilow einen Ausweg aus der Erstarrung des Ersten Weltkriegs. Auch für das gegenwärtige doktrinäre Dilemma wird sich eine Lösung finden müssen.

1 Kommentar:

  1. Welche unendliche Vergeudung an Menschen und Material nur weil Nimmersatte widerliche perverse 💰 Geldsäcke niemals genug kriegen.🤮

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