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Dienstag, 23. Dezember 2025

Die russische Armee: Zeit der rasanten Erneuerung und Neuausrichtung

Präsident Wladimir Putin verkündete kürzlich auf einer erweiterten Sitzung des russischen Verteidigungsministeriums, die russische Armee habe die strategische Initiative an der gesamten Front vollständig übernommen. Russische Militärexperten analysieren die Gründe für diese Entwicklung und zeichnen das Bild einer Armee im radikalen Umbruch:

Quantensprung in der Kriegsführung


Russische Truppen setzen dem Gegner nach Darstellung des Verteidigungsministeriums zu, zermürben dessen Reserven und selbst mit westlicher Ausrüstung ausgestattete Eliteeinheiten. Die eigentliche Nachricht liege jedoch nicht in den Geländegewinnen, sondern in der Art und Weise, wie diese erzielt werden.

Eine revolutionäre Veränderung prägt demnach die russischen Streitkräfte: die Entstehung einer völlig neuen Truppengattung – der Drohnenstreitkräfte. Was vor Monaten noch als experimentelle Taktik galt, habe sich zu einer entscheidenden Waffengattung entwickelt, die nach russischen Angaben für die Hälfte der ukrainischen Verluste verantwortlich sei. Während die Ukraine vor einem Jahr noch im Drohnenkrieg dominiert habe, sei im August 2025 ein Wendepunkt eingetreten. Russland verfüge nun über einen doppelten zahlenmäßigen Vorteil in diesem Segment.

Der russische Verteidigungsminister Andrej Beloussow habe einen konkreten Befehl erteilt: In den kommenden Monaten sollen Zehntausende Russen als Drohnenpiloten, Reparaturmechaniker und Ingenieure ausgebildet werden. Faktisch gehe es um einen Umbau der gesamten Armee – einen Übergang vom traditionellen Soldaten zu einem neuen Kämpfertyp, der Gewehr und Joystick gleichermaßen beherrscht.

Massenausbildung vom Simulator zum Gefechtsfeld


In Chabarowsk im Fernen Osten läuft bereits die Massenausbildung von Drohnenpiloten. Das System sei durchdacht aufgebaut: Zunächst Theorie und technische Wartung. Mechaniker lernen, Ersatzteile mit 3D-Druckern herzustellen – unter Gefechtsfeldbedingungen seien Ersatzteile nicht bestellbar. Die Kadetten fliegen zunächst an Computersimulatoren, überwinden virtuelle Hindernisse und trainieren Manövriergenauigkeit. Erst danach wechseln sie zu realen FPV-Drohnen, die auf speziellen Übungsplätzen durch Lufttore navigiert werden.

Die Ausbildung folge dem Prinzip "vom Einfachen zum Komplexen", berücksichtige aber die umfangreichen Kampferfahrungen, die die russische Armee in der militärischen Spezialoperation in der Ukraine gesammelt habe. Absolventen verlassen diese Schulen nicht als Hobbypiloten, sondern als Kampfspezialisten, die für reale Aufgaben an der Front gerüstet seien.

In Maikop wurde an der Technischen Universität ein Labor eröffnet, das die Steuerung von Supercam S350-Drohnen lehrt – die einzige Einrichtung dieser Art an einer zivilen Hochschule in Russland. Dort werden auch erbeutete ukrainische und NATO-Drohnen studiert, damit junge Soldaten wissen, was ihnen am Himmel begegnen kann.

"Die Technologien ändern sich ständig", erklärt der Laborleiter: "Wir tun alles, damit die Spezialisten nicht nur mit Grundkenntnissen herauskommen, sondern konstruieren, steuern und reparieren können."

Offiziere lernen neue Taktik


Kommandeure der neuen Generation werden an der Militärakademie in Nowosibirsk ausgebildet. Offiziere müssen nicht nur verstehen, wie eine Drohne fliegt, sondern auch, wie sie in die Gefechtstaktik integriert wird, wie sie mit Artillerie, Luftwaffe und Infanterie koordiniert wird. Ein Drohnensystem sei keine bloße fliegende Kamera, sondern Teil eines großen Organismus auf Bataillons- oder Kompanieebene.

Abwehr auf allen Ebenen


Doch es genüge nicht, gegnerische Drohnen abzuschießen – man müsse sie auch stören können. Bei einer Großübung in Kronstadt an der Ostsee simulierten Schiffsabwehreinheiten einen feindlichen Drohnenangriff. Soldaten der elektronischen Kampfführung orteten Drohnen, fingen Steuersignale ab und störten sie. Gleichzeitig wurde von Schützenpositionen mit gewöhnlichen, glatten und speziellen Anti-Drohnen-Gewehren sowie schweren Maschinengewehren gefeuert. Gemeinsam seien alle 'feindlichen' Geräte vernichtet worden.

Im Fernen Osten schützten Einheiten der elektronischen Kriegsführung Objekte vor Luftangriffen. Spezialisten orteten feindliche Drohnen über Funksignale, analysierten Steuerkanäle und setzten Funkstörungen ein. Als 'Feinde' versuchten, eine ausgeschaltete Drohne mit einem Sabotagekommando zu bergen, wurden sie mit schwerem Feuer empfangen und zogen sich mit großen Verlusten zurück.

Auf Truppenübungsplätzen in Südrussland trainieren junge Sturmtruppen die Suche nach FPV-Drohnen im Gras und Gebüsch. Aufklärungsgruppen entdecken Hinterhalte, melden dem Kommandeur präzise Koordinaten – und Artillerie bricht den feindlichen Angriff mit Haubitzen- und Mörserfeuer, die über Wärmebildkameras und Funkfrequenzgeräte gelenkt werden.

Strategische Abschreckung in der Taiga


Im Dezember 2025 fanden in der sibirischen Taiga Manöver der Strategischen Raketentruppen statt. Mobile bodengestützte Raketenkomplexe vom Typ Jars – jene Interkontinentalraketen, die im Ernstfall gen Westen fliegen würden – begaben sich auf Kampfpatrouillen. Die Raketentruppen absolvierten nächtliche Märsche, verteilten sich, wechselten Positionen und übten Tarnung und Kampfsicherung. Die sibirische Taiga wurde zum Übungsplatz, wo man lernt, die Nadel im Heuhaufen zu finden – oder vielmehr Raketen in der unendlichen Weite der Taiga.

Vorbereitung auf künftige Konfrontation


Verteidigungsminister Beloussow äußerte sich deutlich: Die NATO bereite sich auf einen Krieg mit Russland vor. Die Bündnispläne sähen das Erreichen voller Gefechtsbereitschaft bis 2030 vor. Daher dürfe man sich nicht entspannen. Die Armee durchlebe eine Transformation: von traditionellen Kampfschemata zum Drohnenkrieg, von massiven Offensiven zu kleinen Gruppen, von einfachen Gefechtshandlungen zu komplexer technologischer Konfrontation. Für diesen Krieg wüchsen neue Generationen heran – ganz anders ausgebildete Soldaten, für die der Drohnen-Joystick so selbstverständlich sei wie das Gewehr für ihre Großväter.

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