Übersetzung eines Berichts des zentralen russischen Fernsehens aus Wien:
Das ist eine Wiener Schule mit einer reichen Geschichte. Sie ist älter als 120 Jahre und trägt den Namen eines ehemaligen österreichischen Präsidenten, Franz Jonas. Doch sie hat auch einen inoffiziellen Namen. Die Lehrer nennen sie unter sich die Brennpunkt-Schule. Und solche Brennpunkte gibt es in Wien nicht nur einen oder zwei, sondern gleich Dutzende. In diesen Schulen stammen die meisten Schüler aus Familien von Arbeitslosen und Zugezogenen. In der Schule, zu der wir eingeladen wurden, sind 90 % der Kinder Kinder von Migranten.
Ali, Lejla, Sita, Mustafa... "Schüler mit europäischen Namen sind hier weiße Raben" – das berichtete uns etwa vor einem Jahr der Direktor Christian Klar. Der Pädagoge wurde über das gesamte Europa bekannt, nachdem er ein offenherziges Buch über das geschrieben hatte, was in den Schulen passiert. Vor kurzem veröffentlichte er eine Fortsetzung.
"Wir haben uns vor etwa einem Jahr getroffen. Wie hat sich die Situation an Ihrer Schule seitdem verändert?"
Schuldirektor:
"In den ersten Klassen gibt es jetzt noch mehr Mädchen in Kopftüchern. In den Abschlussklassen, wo viele Schüler aus Emigrantenfamilien sind, sprechen die Kinder ohne Artikel und mit falschen Verbformen – die Fehler durchdringen sich in der Umgangssprache und setzen sich dort fest. Das ist eine sehr gefährliche Entwicklung für die Gesellschaft. Viele Migranten sind nach Österreich gezogen, leben aber weiterhin in ihrer arabischen, syrischen oder afghanen Gemeinschaft. Sie interessieren sich überhaupt nicht für das Erlernen der deutschen Sprache."
Die deutsche Sprache ist für mehr als 50 Prozent der Wiener Erstklässler eine fremde Sprache. Sie sprechen sie so schlecht, dass sie den Lehrplan nicht bewältigen können. Zwölf- bis dreizehnjährige Kinder schaffen es nicht aus der Grundschule heraus, obwohl viele von ihnen in Österreich geboren wurden. Sie sind Bürger dieses Landes, aber die Sprache ihrer Heimat erlernen sie auf keine Weise.
Favoriten ist nicht der wohlhabendste Bezirk von Wien. Der Anteil der einheimischen österreichischen Bevölkerung schrumpft, die Anzahl der Zugezogenen steigt. Man versucht, den Migranten Benehmen beizubringen, damit sie keine Pistolen und Messer bei sich tragen. Aber das funktioniert nicht besonders gut. Hier ist die Kriminalität trotzdem die höchste in der Stadt. Es gelingt den Behörden auch nicht, die Liebe zur Sprache zu wecken: Mehr als 70 % der Bewohner von Favoriten sprechen zu Hause kein Deutsch.
Schüler auf einer Tramhaltestelle unterhalten sich auf Arabisch miteinander. Wir gehen auf einen lokalen Markt, der einem orientalischen Bazar ähnelt, auch dort ist die deutsche Sprache kaum zu vernehmen.
Händler auf dem Markt:
"Ich bin nicht zu Deutschkursen gegangen. Ich lerne Deutsch auf eigene Hand, während ich auf dem Markt arbeite. Ich spreche schlecht, aber der Besuch von Kursen ist wegen der Arbeit problematisch."
Deutschunterricht erteilt Isabelle Lichtenegger sowohl auf Kursen für erwachsene Migranten als auch in einer staatlichen Schule. Die Lehrerin ist der Überzeugung, dass eine Kürzung der Ferien und eine Erhöhung der Deutschunterrichtsstunden das Problem nicht lösen wird – man muss den kulturellen Code umstellen.
Lehrerin:
"Viele der Migrantenkinder sind vorher nie in eine Schule gegangen. Sie können in ihrer eigenen Muttersprache nicht lesen und nicht schreiben. Jetzt schicken wir sie aber in eine Schule hier, in Österreich. Manche der Kinder wissen nicht, wie man Besteck benutzt, sie wissen nicht, dass man Servietten verwenden soll, sie waschen sich nicht die Hände. Sehr oft bekommen diese Kinder in den Familie nicht die grundlegende Erziehung, die zehn- bis elfjährige Kinder haben sollten. Das ist ein deutlich ernsteres Problem."
Europäische Lehrbücher sind für solche Kinder wertlose Bücher. In der Klasse zeigt man ihnen Bilder der westlichen Welt, aber in der Familie regieren die Gesetze der Scharia. Die Pädagogin Isabelle Lichtenegger ist der Meinung, dass die Lehrmaterialien für Kinder aus muslimischen Ländern angepasst werden müssen. Welche Literatur ihnen aktuell angeboten wird, versuchen wir in einem Wiener Buchladen zu verstehen.
"Haben Sie auch klassische deutsche Bücher? Goethe, Schiller?"
Verkäuferin im Buchladen:
"Nein, nur islamische Bücher."
Der Laden im Wiener Bezirk Favoriten bietet Bücher von türkischen Denkern und islamischen Theologen an. Mädchen erfahren, wie man einen Kopftuch trägt, Jungen wird erklärt, wie man richtig betet, unter anderem auch auf Deutsch. Der Verlag "Islamische Bibliothek" passt nur die "nötigen" Literatur an, die Werke europäischer Autoren oder Schulbücher sind hingegen nicht ihr Profil.
Österreichischer Politologe:
"Bestimmte Bezirke von Wien verwandeln sich in geschlossene Blasen mit eigenen Cafés mit Halal-Essen und Läden mit islamischer Literatur und Kleidung. Und hier kehren wir zur unzureichenden Sprachkenntnisse zurück. Durch die Sprache kommt Kultur, Geschichte, Wissen. Diese Schüler lesen keine Werke von Goethe oder Schiller – also von denjenigen, die die kulturelle Geschichte der deutschen Literatur geschaffen haben."
Den Prüfung zur Migrationsfrage haben alle europäischen Regierungen nicht bestanden. In Österreich ist die Unterstützung für die Regierungskoalition auf einem historischen Tief. Um das Gesicht zu wahren, verbieten die Behörden in Schulen das Tragen von Kopftüchern. Ab dem nächsten Schuljahr werden Mädchen in Kopftüchern nicht mehr in den Unterricht gelassen.
Schuldirektor:
"Wenn man in einer Schule mit einem Kopftuch kommt, wird die Familie mit einer Strafe von bis zu 1.000 € belegt. Es gibt Gerüchte, dass islamische Vereinigung diese Strafen übernehmen wollen, was zu Konflikten führen könnte. Wir haben einen syrischen Schüler. Seine ältere Schwester hat entschieden, das Kopftuch nicht mehr zu tragen. Darauf hin sagte er seiner Schwester und seiner Mutter: 'Ich werde euch nachts umbringen, weil ihr die Familie beschämt habt'. Das zeigt, in welche Richtung sich unsere Gesellschaft bewegt, welche sozialen Werte sich hier einschleichen."
Die Schule, die unser Gesprächspartner leitet, hat nicht nur den Namen eines ehemaligen österreichischen Präsidenten, sondern auch eine offizielle Bezeichnung – europäische Schule. Wenn das staatliche System keine Fehlerkorrektur durchführt, wird von der europäischen Schule nur der Name übrig bleiben.
Denis Davydov, Anastasia Barkovskaja und Evgeny Kononov. Nachrichten aus Österreich.

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