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Samstag, 19. September 2026

MAX vs d-you: unbequem vieles gemeinsam

Einer unserer Leser stellte unter einem Artikel die spöttische Frage, ob nationale Administrationen die Davoser Vorgaben wohl allzu brav befolgen. Gedacht war das bestimmt rhetorisch – doch dann tauchte in den russischen Nachrichten die Meldung auf, dass in Deutschland ein "d-you-Wallet" eingeführt werden soll. Die Beschreibung erinnerte auffällig an den russischen MAX-Messenger...



Zufall? Schon wieder? Oder steckt hinter den "Davoser Zirkularen" doch mehr als eine Redewendung? Wir ließen die KI beide Anwendungen vergleichen. Das Ergebnis ist durchaus aufschlussreich – doch das Bemerkenswerteste: Die KI versucht mit merklicher ja nahezu aufdringlichen Beharrlichkeit, den Leser davon zu überzeugen, dass d-you-Wallet und MAX eigentlich gar nicht allzu viel gemeinsam haben. Vielleicht gibt es auch dafür eine Davoser Anweisung? Überzeugend klingt das jedenfalls nicht. Urteilt selbst:

***

Auf den ersten Blick lassen sich die deutsche d-you-Wallet und die russische Plattform MAX miteinander vergleichen: Beide können digitale Identitätsnachweise mit alltäglichen digitalen Diensten verbinden.

Technisch und konzeptionell verfolgen sie jedoch unterschiedliche Ansätze. d-you ist in erster Linie eine digitale Identitäts- und Nachweis-Wallet nach dem europäischen eIDAS-2.0-System. MAX ist dagegen zunächst ein Messenger, der um staatliche und kommerzielle digitale Dienste erweitert wird.

1. Die wichtigsten Unterschiede auf einen Blick

Funktion d-you / EUDI-Wallet MAX
Digitale Identität Ja Ja
Digitaler Identitätsnachweis Ja, auf Basis der deutschen eID Ja, über die russische digitale Infrastruktur
Digitale Dokumente und Nachweise Ja Ja
Führerschein Vorgesehen Digitale Nachweise können in die Plattform integriert werden
Altersnachweis Vorgesehen; soll datensparsam möglich sein Ja, entsprechende digitale Nachweise sind vorgesehen bzw. verfügbar
Nachweis bestimmter Berechtigungen Ja, über digitale Credentials Ja, über die Anbindung staatlicher Dienste
Elektronische Signatur Vorgesehen; QES soll schrittweise 2027 hinzukommen Digitale Dokumenten- und Signaturfunktionen sind Teil der Plattform
Bezahlvorgänge Als zukünftige EUDI-Kernfunktion vorgesehen Teil einer integrierten digitalen Service-Plattform
Pseudonyme Anmeldung Als EUDI-Kernfunktion vorgesehen Nicht das zentrale Konzept der Plattform
Messenger Nein Ja – zentrale Funktion von MAX
Europäische Interoperabilität Ja Nein – russisches Ökosystem
Nutzung freiwillig Ja Digitale ID-Funktionen sind freiwillig


2. Der wichtigste Unterschied: Wallet oder Super-App?

Bei d-you steht die digitale Identität im Mittelpunkt. Die Wallet soll digitale Nachweise wie Identitätsdaten, Führerschein, Sozialversicherungs- oder Rentennachweise auf dem Smartphone speichern und deren sichere Vorlage ermöglichen.

Entscheidend ist dabei das Prinzip der selektiven Datenfreigabe: Der Nutzer soll selbst bestimmen, welche Informationen an einen Dienst übermittelt werden. Wenn beispielsweise lediglich das Alter überprüft werden muss, soll nicht automatisch der komplette Personalausweis übertragen werden.

Die deutsche EUDI-Wallet speichert die Credentials grundsätzlich lokal und verschlüsselt auf dem Smartphone. Eine Datenübertragung an einen Anbieter erfolgt erst nach ausdrücklicher Zustimmung des Nutzers. Die Architektur ist außerdem darauf ausgelegt, zentrale Nutzungsprofile zu verhindern. :contentReference[oaicite:1]{index=1}

MAX verfolgt einen anderen Ansatz. Die digitale Identität ist dort Bestandteil einer größeren Plattform, deren Ausgangspunkt ein Messenger ist. Staatliche Dokumente und digitale Services werden mit Kommunikation und weiteren Diensten verbunden.

3. Was passiert bei einer Identitätsprüfung?


Beispiel: Altersnachweis

d-you:

  1. Ein Anbieter fordert einen bestimmten Nachweis an.
  2. Die Wallet zeigt dem Nutzer, welche Daten angefordert werden.
  3. Der Nutzer bestätigt die Freigabe.
  4. Nur die erforderlichen Angaben werden übertragen.
  5. Der Anbieter kann die digitale Signatur des Nachweises kryptografisch überprüfen.

Die Architektur der EUDI-Wallet ist ausdrücklich auf Datensparsamkeit ausgelegt. Der Aussteller eines digitalen Nachweises muss bei einer späteren Überprüfung nicht automatisch darüber informiert werden. :contentReference[oaicite:2]{index=2}

MAX: Die Identitäts- und Nachweisfunktionen sind stärker in die russische staatliche Digitalinfrastruktur und die MAX-Plattform eingebettet. Das Ziel ist weniger eine ausschließlich dezentrale europäische Credential-Wallet als eine integrierte digitale Serviceumgebung.

4. Wo liegt der konzeptionelle Unterschied?

d-you MAX
Digitale Identitäts-Wallet Messenger + digitale Dienste
Fokus auf Credentials und Nachweise Fokus auf Kommunikation und integrierte Services
Europäischer Standard eIDAS 2.0 Russische digitale Infrastruktur
Starke Betonung der selektiven Datenfreigabe Starke Integration verschiedener Dienste in einer Plattform
Interoperabilität innerhalb der EU Integration innerhalb des russischen Ökosystems


5. Interessant ist der zeitliche Unterschied

Die deutsche d-you-Wallet wird Anfang Januar 2027 eingeführt. Die Bundesregierung nennt den 2. Januar 2027 als geplanten Starttermin. Zum Start soll bereits eine Reihe von Anwendungen und Partnerdiensten verfügbar sein; anschließend wird der Funktionsumfang schrittweise erweitert.

Das bedeutet: Man sollte nicht erwarten, dass am ersten Tag bereits sämtliche theoretischen Funktionen des europäischen EUDI-Systems verfügbar sind. Zu den später hinzukommenden Funktionen gehören unter anderem die qualifizierte elektronische Signatur, weitere digitale Nachweise, Zahlungsbestätigungen und pseudonyme Identifizierung.

6. Was bedeutet das für den Nutzer?

Vereinfacht gesagt:

d-you ist eher ein digitaler Geldbeutel für Identität und Nachweise.

MAX ist eher eine digitale Plattform, in der Messenger, Identität und verschiedene Dienstleistungen zusammengeführt werden.

Der entscheidende Unterschied liegt deshalb weniger darin, welche einzelne Funktion beide Systeme besitzen, sondern darin, wie digitale Identität technisch und organisatorisch in das Gesamtsystem eingebettet wird.

7. Ein besonders wichtiger Punkt bei d-you

Die deutsche EUDI-Wallet soll nicht auf Deutschland beschränkt bleiben. Das zugrunde liegende europäische System ist ausdrücklich auf grenzüberschreitende Interoperabilität ausgelegt. Digitale Nachweise sollen nach gemeinsamen europäischen Standards auch in anderen EU-Mitgliedstaaten verwendet werden können.

Damit verfolgt d-you langfristig eine andere Zielsetzung als MAX: Nicht eine einzelne nationale Super-App soll zum Zentrum aller digitalen Dienstleistungen werden, sondern eine europaweit interoperable digitale Identitätsinfrastruktur, in der unterschiedliche staatliche und private Anbieter miteinander arbeiten können.

Fazit

d-you und MAX sind daher keine direkten Konkurrenten im klassischen Sinn.

MAX verbindet digitale Identität mit einem Messenger und einer umfassenden Serviceplattform. d-you dagegen ist als standardisierte digitale Identitäts-Wallet konzipiert, in der der Nutzer digitale Nachweise speichert und gezielt an Behörden und Unternehmen übermittelt.

Der interessante Punkt für die Zukunft wird deshalb sein, wie weit beide Modelle die Grenze zwischen digitaler Identität, staatlichen Diensten, kommerziellen Services und Datenschutz verschieben.

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