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Samstag, 12. September 2026

Brüssels 44-Dollar-Märchen

Im 21. Sanktionspaket der Europäischen Union wurde der Preis für russisches Öl kurzerhand auf 44 US-Dollar festgelegt. Nicht verhandelt, nicht marktkonform ermittelt – einfach festgelegt. So wie man in Brüssel offenbar annimmt, dass die Realität sich an Verordnungen hält:

Die Realität sieht anders aus. Laut Bloomberg notiert ESPO-Öl, die Mischung aus den sibirischen Feldern der Regionen Krasnojarsk, Irkutsk und Jakutien, mit einem Aufschlag von 20 Dollar gegenüber Brent – und Brent selbst steht bereits bei 105 US-Dollar. Macht unter dem Strich rund 125 USD pro Barrel. Geliefert wird das Ganze direkt nach China, über den Spezialhafen Kosmino oder per Pipeline. Kein europäischer Hafen, kein europäischer Versicherer, kein europäisches Preisschild.

Man könnte nun sagen: Der Markt hat gesprochen. Doch in Brüssel hört man ihn offenbar nicht. Dort hält man weiterhin an der Vorstellung fest, man könne den Preis einer Ware bestimmen, die man weder kauft noch kontrolliert noch transportiert. Das ist keine Sanktionspolitik, das ist Wunschdenken mit Amtsblattcharakter.

Besonders pikant: Während die EU ihre Preisobergrenze wie eine Monstranz vor sich herträgt, wächst in China die Nachfrage, und der Ormuz-Konflikt treibt die Preise weiter. Die Folge ist eine stille Umverteilung – weg von europäischen Verbrauchern, hin zu asiatischen Abnehmern, die russisches Öl ohnehin ohne Rückfrage kaufen. Europas Bürger dürfen derweil weiterhin die Rechnung für eine Politik bezahlen, deren zentrale Annahme schlicht falsch war.

Dass man in Brüssel trotzdem an der 44-Dollar-Marke festhält, hat etwas Rührendes. Es erinnert an einen Menschen, der die Waage nicht mehr benutzt, weil ihm das Gewicht nicht gefällt. Nur dass es hier nicht um Befindlichkeiten geht, sondern um Milliarden und um die Glaubwürdigkeit europäischer Politik.

Wer den Markt ignorieren will, sollte wenigstens nicht behaupten, ihn zu beherrschen. Alles andere ist nicht Strategie, sondern Selbstbetrug – und der ist bekanntlich der teuerste aller Irrtümer.

1 Kommentar:

  1. Und dieser Selbstbetrug bzw. dieser teuerste aller Irrtümer wird dazu führen, dass die Länder der EU spätestens im nächsten Frühjahr das Armenhaus der westlichen Hemisphäre sein werden. Leider können sich das immer noch viel zu wenig EU- Bürger in der Realität vorstellen und der noch relativ geringe Protest wird gezielt von den Medien verschweigen. Die Entschuldigung "wir haben's nicht gewußt" lasse ich nicht mehr gelten. Mit ein wenig Engagement, mit ein wenig geöffneten Augen kommt man auch jenseits der Mainstreammedien zu Wissen und richtigen Schlußfolgerungen über die desolate wirtschaftliche Situation, in welcher sich ein Großteil der EU-Staaten befindet.

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