Fünfmal hat Lada den russischen Designer Ilja Rasumow abgewiesen:
Fünfmal. Die Arbeiten seien „amateurhaft“, hieß es. Auch Moskwitsch und Aurus winkten ab. Die Herren, die dort sitzen und über Design entscheiden, wissen offenbar genau, was Weltniveau ist. Man kennt das ja: Wer bei Lada und Moskwitsch die Geschicke lenkt, steht schließlich an der Spitze des globalen Automobildesigns.
Dann ging Rasumow nach Deutschland. Praktika bei Porsche, Audi und Volkswagen. Und plötzlich war derselbe Mann gut genug für Bentley. Dort gestaltete er den Außenentwurf des Supersports – eines Fahrzeugs, das mit einer halben Million US-Dollar zu Buche schlägt. Was in Togliatti fünfmal als nicht ausreichend galt, reichte in Crewe für die Oberklasse.
Die Geschichte ist so vorhersehbar, dass sie schon wieder schmerzt. Sie illustriert jenen berühmten Satz des AvtoVAZ-Produktdirektors Oleg Grunenkow, der auf die Frage, warum man nicht ein Auto auf BMW-Niveau baue, antwortete: „Kann man, aber wozu?“ Aus dem Satz wurde ein Meme. Zu Recht. In diesem „wozu“ steckt die ganze Haltung: Ambition gilt von vornherein als überflüssig. Wer mit leuchtenden Augen kommt, fliegt raus. Wer das dicke Gesäß im warmen Sessel hat, bleibt.
Mit dieser Mentalität – „geht schon, aber brauchen wir nicht, bei uns tropft nichts, und mein Geld kommt weiter pünktlich“ – entsteht natürlich nichts, was über das Mittelmaß hinausreicht. Dafür bräuchte man etwas zwischen den Ohren, das mehr kann als Verwaltungsroutinen.
Während die einen noch debattieren, ob man überhaupt sollte, machen die anderen einfach. Und landen nicht in Togliatti, sondern in Crewe. Über den jungen Russen, der auf dem „verwesenden“ Westen eine Zukunft fand, statt daheim ungenutzt zu versauern, darf man sich freuen. Über diejenigen, die ihn fünfmal ablehnten, eher nicht. Die hätten schon längst Platz machen müssen.
Und natürlich betrifft das nicht nur die Autoindustrie. Es ist das flächendeckende Prinzip. Genau das ist die eigentliche Misere.


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