Auf meinem Feed tauchte ein Video einer deutsch-russischen Bloggerin auf, die über die Benzinpreise in Russland spricht:
Ihr Fazit: Alles "ziemlich unspektakulär". Über ihrem Kopf prangt die Einblendung "Ekaterinburg, Russland". Und ja – Russland ist groß. Vielleicht gibt es in Ekaterinburg gerade tatsächlich keine Probleme, und der Preis liegt wirklich bei etwa 70 Eurocent pro Liter. Das will ich gar nicht bestreiten.
Aber die Realität, in der ich mich gerade befinde, sieht doch etwas anders aus.
Punkt 1: Die großen Tankstellen – offen, aber mit Geduldsspiel
Die Tankstellen der großen Ketten haben tatsächlich geöffnet, und die Preise liegen dort wirklich bei etwa 70 Eurocent pro Liter. Klingt super, oder? Tja – wenn da nicht die Schlangen wären. Und ich rede nicht von zwei, drei Autos. Es sind meistens 20 bis 50 Fahrzeugen, die sich vor der Zapfsäule stauen. Das bedeutet: ein bis drei Stunden Wartezeit, nur um tanken zu können. Da wird ein spontaner Tankstopp schnell zum Tagesprojekt.
Punkt 2: Die kleinen Anbieter – geschlossen oder schlicht unbezahlbar
Die Tankstellen kleinerer Anbieter haben oft gar nicht geöffnet. Und wenn doch, dann langt man ordentlich hin: Der Preis erreicht locker das Doppelte – also deutlich über einen Euro, eher 1,20 bis 1,50 Euro pro Liter. Dafür steht man dort allerdings ganz ohne Warteschlange. Kleiner Trost, großer Schmerz.
Mein Fazit
Ich verstehe die positive Grundstimmung der Bloggerin und teile sogar einen Teil ihres Optimismus – immerhin gibt es Benzin, und das sogar zum "empfohlenen Preis". Aber dieser Optimismus verflüchtigt sich meist ziemlich schnell, wenn der Tank leer wird und man sich auf die sprichwörtliche "Jagd nach Benzin" begibt. Und diese Jagd endet dann häufig an der Zapfsäule einer privaten Tankstelle – ganz ohne Schlange, dafür mit dem doppelten Preis pro Liter.
Vielleicht ist die Situation in Ekaterinburg also wirklich entspannt. Aber "ziemlich unspektakulär" ist sie hierzulande bei weitem nicht. Es ist ein tägliches Katz-und-Maus-Spiel zwischen Zeit, Nerven und dem eigenen Geldbeutel.

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