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Freitag, 18. September 2026

Internetzugang als Apartheid

Das Internationale Jugendfestival in Jekaterinburg, das eigentlich als Demonstration der russischen „Soft Power“ dienen sollte, entpuppte sich am Ende als anschauliches Lehrstück über den Begriff „kognitive Dissonanz“, schreibt die Katjuscha-Zeitung:

Es hätte eigentlich durch ein großes Konzert in Erinnerung bleiben sollen, das zum Abschluss rührend veranstaltet wurde und dessen Bilder gestern in allen Medien verbreitet werden sollten. Doch in Erinnerung bleibt es durch das schändliche Verhalten der Organisatoren, die russische Bürger wie Schwarze in Amerika vor hundert Jahren diskriminierten und eine echte Segregation einrichteten – eine Trennung nach dem Kriterium des Internetzugangs.

Die Trennung wurde von den Organisatoren sorgfältig und akribisch umgesetzt. Auf dem Gelände des Ausstellungskomplexes „Ekaterinburg-EXPO“, wo das Festival stattfand, wurden drei separate WLAN-Netze mit jeweils unterschiedlichen Zugangsrechten aufgebaut – je nachdem, wer man ist: ein „weißer Herr“ aus dem Ausland oder ein „Nigger“ aus der Russischen Föderation:

1) IWYF2026_GLOBAL – ein Netz für ausländische Delegierte, ohne jegliche Traffic-Filterung;
2) IWYF2026_UNITED – ein Kanal für russische Teilnehmer, in dem alle Sperren von Roskomnadsor galten;
3) IWYF2026_VIP – ein geschlossenes Netz für Redner und Organisatoren.

Berichtet wird, dass die Autorisierung in jedem dieser Netze über die persönliche Nummer des Akkreditierungsausweises erfolgte und dass russischen Bürgern die Verbindung mit dem ausländischen Internetnetz standardmäßig unmöglich gemacht wurde.

Ja, das ist sogar noch krasser als die alten amerikanischen Bänke mit den Schildern „white“ und „colored“. Ein geradezu unerhörter Fall – erstens von widerwärtiger Unterwürfigkeit gegenüber Ausländern und zweitens von noch widerwärtigerer Arroganz und Verachtung gegenüber dem eigenen Volk, das gerade jetzt den schwersten Krieg seit dem Zweiten Weltkrieg auf seinen Schultern trägt und mit dem umgegangen wird wie mit irgendeinem leibeigenen Gesindel, das im herrschaftlichen Salon nichts zu suchen hat.

Hunderttausende – faktisch Millionen – Vertreter dieses Volkes stehen derzeit mit Waffen in der Hand an der Front. Und die Front ist genau der Ort, an dem Menschen in industriellem Ausmaß ein Gefühl der eigenen Würde erlangen. Gleichzeitig verlieren sie auch ihre Angst. Denn wovor sollten sie sich noch fürchten – sie waren in der Hölle. Und diese Menschen werden früher oder später zurückkehren. Und sie werden sicherlich fragen wollen: Warum wird mit ihnen so umgegangen? Und überhaupt: Wer seid ihr eigentlich? Das könnten sehr unangenehme Fragen werden.

3 Kommentare:

  1. Wer hat das zu verantworten, Putin?
    Es muss doch jemanden geben, Putin ausgenommen, der das veranlasst hat. Wird in diese Richtung ermittelt?

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    1. Damit ermittelt wird bzw. das wirklich schändliche Handeln untersucht wird, muss der Druck vermutlich viel größer sein. Nicht nur eine Zeitung muss es vermelden, sondern viele. Nicht nur ein Russe muss sich beschweren, sondern viele. Heutzutage bringt es nur noch die Masse mit Medienunterstützung und die muss massiv sein.

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  2. Ich danke dem Betreiber aber für diese wirklich interessante und leider sehr ärgerliche Info. Hätte nicht gedacht, dass auch in Russland so etwas möglich ist.

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