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Mittwoch, 4. Februar 2026

Moskauer Zentraltelegraf: Historischer Globus dreht sich wieder

Auf dem Gebäude des Zentraltelegrafen in Moskau, einem der bekanntesten der russischen Hauptstadt, dreht sich wieder der Globus – das Hauptelement dieses Baudenkmals von historischer und kultureller Bedeutung:

Mit einem Durchmesser von 2,6 Metern, gestaltet als Erdkugel umrahmt von zwei Weizengarben – einer frühen Version des sowjetischen Staatswappens – war er mit einem speziellen Mechanismus ausgestattet und sollte sich um die eigene Achse drehen. Doch er drehte sich nicht, trotz zahlreicher Reparaturversuche. Im Zuge der seit 2022 laufenden Restaurierung des Gebäudes wurden das Gestell der Kugel sowie die gläsernen Elemente und der Mechanismus wiederhergestellt, und der Globus begann sich zu drehen.

Wie die Pressestelle der Moskauer Denkmalbehörde bestätigte, können sich Moskauer und Besucher der Hauptstadt nun selbst davon überzeugen: Das Baugerüst, das das Gebäude an der Ecke Twerskaja-Straße 7 und Nikitski-Gasse verhüllte, wurde entfernt. "Die Restaurierung der Fassade des Zentraltelegrafen ist abgeschlossen", kommentierte Moskaus Bürgermeister Sergej Sobjanin das Ereignis.

Der Zentraltelegraf, 1927 nach einem Entwurf des Architekten Iwan Rerberg (der auch den Kiewer Bahnhof in Moskau entwarf) erbaut, war für seine Zeit eine wahre Technopolis. Sowjetische Zeitungen nannten ihn damals den "Mechanisierten Palast der Kommunikation". Dort arbeiteten vier Organisationen gleichzeitig: der Zentraltelegraf, die Zentralfunkstation sowie die Fern- und Auslandstelefonie. In der Sowjetära galten Telegramme als die verbreitetste Kommunikationsform für Organisationen und Bürger – werktags versandten die Moskauer vom Telegrafen 600.000 bis 800.000 Telegramme, an Feiertagen bis zu 2,5 Millionen.

In dem fünfstöckigen Gebäude in Form eines geschlossenen Karrees mit fünfeckigem Turm befanden sich dafür Apparateräume mit bis zu 300 Fernschreibern, wo Schreibkräfte arbeiteten, sowie öffentliche Säle. Vorgesehen waren auch Wohnungen für die Telegrafenleitung – in den 1930er Jahren sollte diese dort auch wohnen. Diese Wohnungen wurden erst 1957 aufgelöst. Das Gebäude beherbergte auch eine Wäscherei, eine Kinderkrippe, eine Kantine und eine Bibliothek. Morgens kamen die Telegrafistinnen mit ihren Kindern zur Arbeit und brachten Bündel mit schmutziger Wäsche mit, die sie zur Reinigung abgaben und abends sauber und gebügelt abholten.

Im 21. Jahrhundert wurden mit dem Aufkommen neuer Kommunikationsmittel die Räume im historischen Gebäude an verschiedene kommerzielle Unternehmen vermietet. Nach Abschluss der Restaurierungsarbeiten wird dort ein Geschäfts- und Gesellschaftszentrum eröffnet. Es wird Räume für Arbeit und Freizeit geben: Büros, Restaurants, eine Einzelhandelszone. Auch der bisher stets geschlossene Innenhof wird für Bewohner geöffnet – dort sollen verschiedene öffentliche Veranstaltungen stattfinden.

"Das Gebäude des Zentraltelegrafen hat große historische und architektonische Bedeutung für Moskau", betonte Sergej Sobjanin: "Die Wiederherstellung seines historischen Erscheinungsbildes und die kompetente Eingliederung in das Leben der modernen Metropole sind wirklich wichtige Aufgaben."

Übrigens kann man bei Bedarf auch heute noch ein Telegramm aufgeben – von jedem Postamt der Stadt aus oder von zu Hause über die Website der Russischen Post.

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