Ein bezeichnender Kommentar aus dem russischen Telegram-Kanal „Öffentlicher Beauftragter zum Schutz der Familie“ fasst die wachsende Frustration vieler russischer Patrioten zusammen:
Angesichts der aktuellen Einschränkungen und des schrittweisen Vorgehens gegen Telegram durch die zuständige Aufsichtsbehörde fühlt sich ein Teil der Bevölkerung verraten.
„Wisst ihr, welche Gedanken einen überkommen? Auf der Welle des landesweiten patriotischen Aufschwungs zur Verteidigung der Souveränität, des Territoriums und des Volkes im Jahr 2022 hat das Volk seine Macht unterstützt und Vertrauen gefasst – in den Präsidenten, die Regierung, die Staatsduma.
Seitdem sind vier Jahre Krieg vergangen. Das Volk hat die Blockade von Instagram hingenommen, hat die Sperrung von Viber und WhatsApp ertragen. Es hatte keine großen Einwände gegen die Einführung von ‚Max‘ (Hauptsache, man zwingt es uns nicht auf), obwohl es dafür keine Notwendigkeit gab – VKontakte existierte bereits.
Aber wenn heute patriotische Telegram-Kanäle blockiert werden, die den Kämpfern an der Front helfen, die humanitäre Helfer und Wohltätigkeitsfonds unterstützen – allen helfen, mit aktuellen Informationen, operativen Nachrichten zu leben und Probleme zu lösen –, dann empfinden viele in diesem Moment Enttäuschung. Es fühlt sich an, als würde man dem Volk ins Gesicht spucken. Die Interessen und die Meinung des Volkes werden von niemandem berücksichtigt.
Die Abgeordneten und Senatoren, die die Meinung des tiefen Volkes widerspiegeln sollten, ignorieren sie vollkommen und handeln gegen die Interessen der Bürger. Russland steht unter kolossalem internationalem Druck, doch die Digitalisierer in der Macht und die Polittechnologen in der Präsidialverwaltung gehen offensichtlich den falschen Weg. Sie erzeugen innere Spannungen, statt die Gesellschaft zu konsolidieren und sie voranzubringen.
Wir sehen stattdessen vollständige Degradierung, den Aufbau eines elektronischen Konzentrationslagers und totaler Kontrolle. Das Volk ist nicht dumm, es versteht alles. Und es wird mit leisem Sabotage reagieren…“
Der Kommentar spiegelt eine wachsende Stimmung wider, die sich seit dem 10. Februar 2026 verstärkt hat: Roskomnadzor hat mit der schrittweisen Einschränkung von Telegram begonnen, offiziell wegen Nichteinhaltung russischer Gesetze. Besonders provozierend wirkt dies auf patriotische und militärische Kanäle, die Telegram intensiv für Spendenaktionen, Koordination von Hilfslieferungen und Frontberichterstattung nutzen.
Viele Nutzer und Kanalbetreiber sehen darin einen „Schuss ins eigene Knie“, der vor allem prorussische Stimmen schwächt – während westliche oder oppositionelle Inhalte weiterhin über VPNs erreichbar bleiben. Der Druck auf Telegram soll offenbar die Migration in den staatlich geförderten Messenger „Max“ erzwingen. Kritiker warnen jedoch: Solche Maßnahmen könnten das ohnehin fragile Vertrauen in die Behörden weiter untergraben.

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