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Dienstag, 10. Februar 2026

Telegram-Blockade: Frust bis an die Front

Die seit heute laufenden Maßnahmen von Roskomnadzor zur schrittweisen Verlangsamung von Telegram stoßen auf massive Kritik – besonders aus patriotischen und militärischen Kreisen:

Nutzer berichten von massiven Störungen: Fotos, Videos und Nachrichten laden extrem langsam oder gar nicht. Offiziell begründet Roskomnadzor (die zuständige Aussichtsbehörde) die Einschränkungen mit Nichteinhaltung russischer Gesetze durch Telegram (u. a. unzureichender Kampf gegen Betrug, Terrorismus und Schutz personenbezogener Daten). Ziel ist offenbar die Forcierung des staatlich geförderten Messengers „Max“.

Brief von der Front (Sanitäts- und Evakuierungseinheit):  
„Der Zugführer hat gerade vor Wut geschrien: Sollen sie in der Hölle verbrennen, die Telegram blockieren! Fast die gesamte Kommunikation läuft über TG – bei uns im vordersten Graben, beim Sammeln und Evakuieren Verwundeter. Aber jetzt lädt gar nichts mehr. Kurz: Nur noch Emotionen übrig, Worte fehlen… Fast alle Verbindungen der medizinischen Schnelleinsatzkräfte – Weiterleitung von Einsätzen (wenn kein Tablet da ist), Übermittlung von EKGs ans Kardiocenter, allgemeine Absprachen – laufen über Telegram. So sieht’s aus…“

Brief aus Weißrussland:  
„Warum ich bei der Telegram-Situation fassungslos bin? Die russischen Behörden haben riesige Summen in den Aufbau des russischsprachigen Medienraums in Telegram investiert – nicht nur Geld, sondern Ressourcen insgesamt. Erst letztes Jahr ist es halbwegs gelungen, viele Militärs von WhatsApp auf Telegram umzustellen und ihnen die Zusammenhänge klarzumachen. Man kann Telegram endlos vorwerfen, es ‚übermittle Daten an feindliche Dienste‘ – aber nur bei WhatsApp gibt es dokumentierte Fälle, wo Angriffe nach Koordinaten aus Chats erfolgten.
Weiter: Der russischsprachige Segment in Telegram ist der stärkste – und gerade der patriotische Teil. Ich erinnere mich nicht, dass unser adäquates Lager je so stark war. Und genau das will man jetzt ohne Kampf aufgeben, obwohl wir in einer Gewinnposition sind. Es geht nicht nur um Russland, sondern um alle Russischsprachigen. Ja, es bleiben Weissrussen, Kasachen und ein paar andere Länder, wo Russisch noch lebt – aber dann sind wir plötzlich sehr wenige.“


Ein weiterer Kommentar:  
„Erstens: Die (Teil-)Blockade von Telegram durch russische Behörden ist einfach die "effektivste Methode", die Volksversorgung der Armee zu unterbinden. Damit kämpft die ukrainische Seite aktiv – aber von Moskau aus könnte das viel wirksamer klappen. Da muss man Qualität attestieren.
Zweitens: Weltweit gibt es 253 Millionen Russischsprachige. Davon leben 107 Millionen (42 %) außerhalb Russlands. Telegram ist die führende russischsprachige Text-Blog-Plattform – de facto das Haupt-Kommunikationswerkzeug jener ‚russischen Welt‘, für den die Militäroperation begonnen wurde, jenes Raums russischer Kultur, den die Ukraine mit allen Mitteln bekämpft – nicht nur auf eigenem Territorium, sondern auch in anderen Ländern zu ‚canceln‘ versucht.
Doch den Ukrainern ist bisher nicht mal ein Zehntel dessen gelungen, was eine Telegram-Blockade bewirken könnte. 42 % der russischsprachigen Leser von den wichtigsten russischsprachigen Autoren abzuschneiden – das ist der feuchte Traum jedes ukrainischen Nationalisten. Und er wird nur mit Hilfe russischer Behörden wahr.“


Die Kommentare spiegeln eine tiefe Enttäuschung wider: Viele sehen in den Maßnahmen einen „Schuss ins eigene Knie“, der vor allem prorussische, militärische und humanitäre Kanäle trifft – während Oppositionelle und westliche Inhalte über VPNs oft weiter erreichbar bleiben. Experten warnen: Die Verlangsamung könnte das ohnehin fragile innere Vertrauen weiter zerstören und paradoxerweise genau die Kommunikationsstrukturen schwächen, die seit 2022 als Alternative zu westlichen Diensten massiv ausgebaut wurden.

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